Babys erinnern sich besser an gute Zeiten

Amerikanische Forscher haben untersucht, wie die emotionale Situation ihrer Bezugspersonen die Gedächtnisleistung von Säuglingen beeinflusst.

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Amerikanische Forscher haben untersucht, wie die emotionale Situation ihrer Bezugspersonen die Gedächtnisleistung von Säuglingen beeinflusst.

Ein Wissenschaftlerteam am Institut für Psychologie der Brigham Young University (BYU) in Provo in den Vereinigten Staaten hat erforscht, wie Säuglinge Erinnerungen verarbeiten. Dabei zeigte sich, dass die Art, wie die Bezugspersonen mit ihnen umging, einen Einfluss auf die Gedächtnisleistung hat – und das auch schon in sehr jungem Alter.

Die Gruppe aus jeweils fünf Monate alten kleinen Probanden wurden geometrische Figuren gezeigt, während parallel dazu positiv, negativ und neutral klingende Stimmen mitsamt passenden Gesichtern per Videoschirm eingespielt wurden, die die Kinder sehen und hören konnten.

Die Ăśbung wurde ĂĽber mehrere Tage wiederholt. Wie sich zeigte, wurden die Figuren am besten erinnert, wenn sie mit einer positiven Stimme oder einem glĂĽcklichen Gesicht in Verbindung gebracht wurden. ĂśberprĂĽft wurde das anhand der jeweiligen Betrachtungsdauer, der Augenbewegungen sowie der Anzahl der Blickwechsel zwischen mehreren Figuren.

Baby mit Mutter: Säuglinge erinnern abhängig von der emotionalen Situationen, glauben die Forscher.

(Bild: BYU)

Der Grund für das bessere Lernergebnis scheint zu sein, dass fröhliche, glückliche und positiv agierende Bezugspersonen offensichtlich die Aufmerksamkeitsspanne der Babys erhöhen, was wiederum zu einer besseren Aufnahme- und Verarbeitungsfähigkeit ihres Gehirns bei der Präsentation von Informationen führt. Eltern sollten zudem auf die jeweilige Stimmung des Nachwuchses achten, so die Forscher.

Es war bereits bekannt, dass Menschen sehr früh damit beginnen, Gedächtnisinhalte zu bilden. So gilt als nachgewiesen, dass schon ein Fötus im letzten Drittel der Schwangerschaft Geräusche wahrnehmen kann, an die sich das Neugeborene später erinnert.

Föten nähmen Geräusche ähnlich war, wie es klingt, wenn man die Hand vor denn Mund nimmt, so der kognitive Neurowissenschaftler Eino Partanen von der Universität Helsinki gegenüber dem Magazin "Science". Man könne so den Sprachrhythmus ebenso wahrnehmen wie den Rhythmus von Musik. So beginne auch das Lernen der Worterkennung.

Im Versuch wurden Reaktionen auf glĂĽckliche, neutrale oder wĂĽtende Stimmen getestet.

(Bild: BYU)

"Und sobald wir einen Klang gehört haben, reicht es aus, dass wir ihn nur oft genug hören, um eine Erinnerung zu bilden, die beim nächsten Hören aktiviert wird." Für Kleinkinder ist das frühe Lernen hilfreich, weil sie so ihre Muttersprache schneller erfassen können, glaubt Partanen, der dies über Gehirnwellen untersucht hat. Schon 1988 hatten Forscher demonstriert, dass Neugeborene die Melodie der Lieblingsfernsehserie ihrer Mutter erkennen können.

Ross Flom, Leiter der BYU-Studie, hatte zuvor schon gezeigt, dass Kleinkinder auch in jungem Alter die Stimmung anderer Menschen problemlos wahrnehmen können – sogar die von Tieren wie Hunden oder Affen. Diese "emotionale Intelligenz" bildet sich also ebenfalls sehr früh.

Babys können nicht sprechen – deshalb dienten die Augenbewegungen als wichtiger Anhaltspunkt.

(Bild: Evan-Amos / Wikipedia)

Bei bisherigen Gedächtnisstudien im Säuglingsalter seien Unterschiede im emotionalen Affekt untersucht worden. "Wir sind die ersten, die studieren, wie diese Emotionen Erinnerungen direkt beeinflussen", so Flom.

Positive Affekte sorgten auch dafür, dass sich die Babys besser konzentrierten und ihre Erregung nehme zu. "Durch die Ansprache dieser Systeme erhöhen wir auch die Fähigkeit, die geometrischen Muster zu verarbeiten und vermutlich auch wiederzuerkennen."

Für den späteren Lebensverlauf ist es zudem wichtig, dass das Kleinkind schnell die sogenannte soziale Kognition beherrschen lernt. Rebecca Saxe, Neurowissenschaftlerin am MIT Center for Minds, Brains and Machines, meint, dass der Mensch hier anderen Lebewesen etwas voraus hat.

"Es gibt Grund zu der Annahme, dass wir Menschen zumindest in mancher Hinsicht hierbei einzigartig sind. Menschen sind bei weitem die sozialste Art, neben Insekten. Schon die Interaktion, die Sie und ich jetzt haben – zwei Fremde treffen sich und kooperieren ohne besonderen Grund für eine Stunde –, ist außerhalb der menschlichen Art unbekannt", so Saxe im Interview mit Technology Review. (bsc)