Politik der Umarmung
Trebor Scholz macht einen interessanten Vorschlag, wie man dem aggressiven Internet-Kapitalismus von Uber und Co zähmen könnte: Man muss das Geschäft einfach selbst übernehmen. Ob das hilft?
Trebor Scholz macht einen interessanten Vorschlag, wie man dem aggressiven Internet-Kapitalismus von Uber und Co zähmen könnte: Man muss das Geschäft einfach selbst übernehmen. Ob das hilft?
Ach ja, Weihnachten. Es duftet nach Tannennadeln und Glühwein, Frank Sinatra säuselt vom Band und an einer Wäscheleine haben Kinder bunte Zettel mit ihren Weihnachtswünschen befestigt. „Weltfrieden“ steht da unter anderem und „dass keiner mehr hungern muss“. Herzerwärmend, gell? Nur dass in mir sofort der Verdacht aufkeimt, dass die Zettel in Wirklichkeit von einer dieser Social-Media-Agenturen gestaltet sind. Hippe, junge Kreative, die „irgendwas virales“ machen, auf Facebook oder so.
Diesen Internet-Startups traue ich mittlerweile alles zu. Und damit bin ich ja nicht alleine. Wie konnte man neulich in der SZ so schön lesen? Der Internet-Fahrdienst Uber sei mittlerweile so beliebt, wie Atomkraft oder Fracking. Kein Kommentar.
Auch der Chefreporter der taz, Peter Unfried, war jetzt mal im Herzen der Bestie - im „Zentrum der Weltveränderung“. Und ganz ähnlich wie auch schon David Rotman in der TR-Dezember-Ausgabe berichtet auch Unfried über die wachsende Sorge amerikanischer Intellektueller, dass das „Erfolgsmodell“ Silicon Valley die Zukunft des gesamten Landes bestimmen könnte. Denn „während das Silicon Valley einen großen Einfluss auf Lifestyle und Technik hatte, hatte es ganz und gar nicht den positiven für den Arbeitsmarkt, wie seine Unterstützer behaupten. Die Tech-Industrie war nie eine Job-, sondern eine Rationalisierungsmaschine.“ Sprich: einige extrem gut bezahlten Jobs für wenige, gut ausgebildete und zu wenige extrem mies bezahlte Jobs für die ungebildeten Massen, die noch dazu unter stark gestiegenen Lebenshaltungskosten leiden.
Muss das so laufen? Nein, sagt Trebor Scholz von der renommierten Privatuni „New School“ in New York. Was sollte denn beispielsweise Fahrer daran hindern, einfach einen Klon von Uber zu programmieren, und einen eigenen selbst verwalteten kooperativen Fahrdienst aufzusetzen? Ohne Uber 20 Prozent in den Rachen zu werfen, und ohne Bevormundung durch eine anonyme Zentrale, die Fahrer jederzeit „deaktiviert“, wenn sie zum Beispiel auf Twitter schlecht über den Fahrdienst schreiben.
Auch eine herzerwärmende Idee. Vielleicht geschieht zu Weihnachten ja ein Wunder, und irgendjemand setzt die Idee in die Praxis um. Wünschen kann man sich ja, was man will. Hat mal jemand einen Zettel?
(wst)