Batterie auf Speed
Eine Hybrid-Batterie soll die StĂ€rken von Lithium-Ionen-Akkus und Kondensatoren verbinden:âhohe Energie- und hohe Leistungsdichte. Damit lieĂe sich viel bisher ungenutzte Energie zurĂŒckgewinnen.
Eine Hybrid-Batterie soll die StĂ€rken von Lithium-Ionen-Akkus und Kondensatoren verbinden:âhohe Energie- und hohe Leistungsdichte. Damit lieĂe sich viel bisher ungenutzte Energie zurĂŒckgewinnen.
Auch die modernsten Akkus mĂŒssen passen, wenn sie sehr viel Energie in sehr kurzer Zeit aufnehmen mĂŒssen â etwa bei einer Vollbremsung. Die Weltmeister dieser Disziplin, der Leistungsdichte, sind Kondensatoren. Leider können diese im VerhĂ€ltnis zu ihrem Gewicht nur relativ wenig Energie aufnehmen. Das Forschungsprojekt FastStorageBW arbeitet an einem Hybrid-Stromspeicher, der die Energiedichte eines Lithium-Ionen-Akkus mit der Leistungsdichte eines Kondensators vereinen soll. Daran beteiligt sind unter anderem das Fraunhofer-Institut fĂŒr Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart sowie die Varta Microbattery GmbH. "Wir wollen die Zelle innerhalb der nĂ€chsten drei Jahre marktreif machen", sagt Projektleiter Peter Kitzler.
Anwendungen sehen die Forscher etwa bei Elektrofahrzeugen, die regelmĂ€Ăig sehr viel Leistung aufnehmen mĂŒssen. Darunter fallen Gabelstapler oder Förderfahrzeuge in einem Hochregallager. Wenn diese schwere Pakete aus den oberen FĂ€chern herunterheben, kann sehr viel potenzielle Energie wiedergewonnen werden â sofern die Stromspeicher mitspielen. Auf etwa 20 Prozent schĂ€tzen die Fraunhofer-Forscher das Einsparpotenzial. Ein anderes Einsatzgebiet wĂ€ren elektrische Linienbusse. Wenn sie an Ladepunkten in kurzer Zeit vergleichsweise viel Energie tanken können, wĂŒrden sie mit kleineren Batterien auskommen.
Der Hybrid-Stromspeicher basiert auf Elektroden, die mit unterschiedlichen Prinzipien arbeiten. Die negative besteht aus Kohlenstoff, aufgetragen auf ein GerĂŒst aus Nickelschaum. Das klingt zunĂ€chst unspektakulĂ€r, denn auch handelsĂŒbliche Lithium-Ionen-Zellen haben eine Kohlenstoff-Elektrode. WĂ€hrend der Kohlenstoff bei einer normalen Batterie aber dazu dient, Ionen im geladenen Zustand gewissermaĂen Unterschlupf zu bieten, funktioniert er bei der Hybrid-Variante wie ein Kondensator: Wird eine Spannung angelegt, wandern Elektronen aus der umgebenden Elektrolyt-FlĂŒssigkeit in den Kohlenstoff und hinterlassen dabei Leerstellen im Elektrolyt. Da beim Laden und Entladen keinerlei chemische Reaktion stattfindet, lĂ€uft der Prozess sehr schnell ab. Entsprechend hoch ist die Leistungsdichte.
Wie hoch die Energiedichte ist, also die Menge an Energie pro Kilogramm, hĂ€ngt von der Kohlenstoff-OberflĂ€che ab. Um sie zu vergröĂern, experimentieren die Forscher mit Graphen-NanoplĂ€ttchen. Sie bestehen aus einer nur ein Atom dicken Kohlenstoffschicht. Allerdings tendieren die PlĂ€ttchen zum Verklumpen. Deshalb versehen die Fraunhofer-Forscher sie mit Fremdstoffen, die sie auf Abstand halten.
Parallel dazu erforschen sie, wie sich solche Kohlenstoffelektroden besser herstellen lassen. Normalerweise wird dabei eine feuchte Paste auf einen MetalltrĂ€ger aufgetragen. Allerdings muss diese dann energieaufwendig getrocknet werden. Auf der Suche nach einem eleganteren Verfahren wurden sie bei der Lackiertechnik fĂŒndig: Schon seit Jahren werden etwa Fahrradrahmen oder Waschmaschinen pulverbeschichtet, ohne jedes Lösungsmittel. Diese Methode soll nun auch die Elektrodenproduktion sauberer und schneller machen.
Die positive Elektrode der Hybridzelle speichert ihre Energie chemisch, indem Metall oxidiert beziehungsweise reduziert wird. Der Prozess lĂ€uft zwar nicht so schnell ab wie die physikalische Speicherung an der Kohlenstoff-Elektrode, liefert aber eine höhere Energiedichte. Um mit der flinkeren Kohle-Elektrode mithalten zu können, ist die Elektrode entsprechend gröĂer dimensioniert.
Derzeit sucht das Konsortium nach einer Materialkombination, die den besten Kompromiss zwischen Energie- und Leistungsdichte bietet. Dabei mĂŒssen die Wissenschaftler im Auge behalten, wie sicher die verwendeten Stoffe sind. "Organische Lösungsmittel als Elektrolyt erlauben eine Spannung von bis zu 2,4 Volt", sagt Elektrochemiker Harald Holeczek vom IPA. "WĂ€ssrige Elektrolyte bringen es nur auf 1,4 Volt, sind dafĂŒr aber weniger brennbar und gesundheitsschĂ€dlich."
Ăhnliches gilt fĂŒr die Auswahl der Metalle. Neben Umweltfreundlichkeit kommen hier noch Faktoren wie Kosten und VerfĂŒgbarkeit hinzu. Das bremst die Verwendung von Graphen aus. Auch in ein paar Jahren werde es "noch nicht in ausreichender Menge vorhanden sein", so Peter Kitzler.
Die Elektroden der ersten Prototypen bestehen deshalb noch aus Aktivkohle und Metallhydrid. Sie bringen es auf eine Leistungsdichte von bis zu 5000 Watt pro Kilogramm und auf eine Energiedichte von 20 Wattstunden pro Kilogramm. Das liegt zwar noch deutlich unter der Energiedichte eines Lithium-Ionen-Akkus, aber laut Kitzler immerhin schon um den Faktor vier ĂŒber konventionellen SuperCaps â Kondensatoren mit besonders hoher Energiedichte. (grh)