Internet-Boom: Shanghai investiert ins TV-Kabel

Das Internet-Portal von Shanghai kann kurz nach dem Start schon 2 Millionen Seitenaufrufe täglich verbuchen; die Stadt investiert massiv in schnellen Internet-Zugang per TV-Kabel.

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  • Monika Ermert

Schon einige Stunden nach seinem Start Anfang Juni reklamierte das neue Super-Portal der Shanghaier Presse 20.000 registrierte Nutzer. "Wir haben im Moment rund 2 Millionen Seitenabrufe pro Tag," sagte ein Sprecher gegenüber der c't. Mit einer offiziellen Erlaubnis des neuen Informationsbüros des Staatsrates dürfen die 12 beteiligten staatlichen Medienorganisationen, darunter Shanghais Xinmin-Wenhui-Zeitungsgruppe, Shanghai Television und Shanghai Cable TV ihr Portal mit eigenen und zugekauften Beiträgen füttern und auch eigens für die Webseite produzierte News sind gestattet. Aktuell beherbergt Eastday.com.cn beispielsweise eine UN-Veranstaltung zur "Informatisiserung" der Städte in Asien.

Bei der Lizenz des Informationsbüros des Staatsrates handele sich um die erste derartige "Trumpfkarte" landesweit, schrieb die chinesische Wirtschaftszeitung Financial Daily. Ob die beteiligten Medien ihre eigenen Webseiten einstellen, sei allerdings noch nicht geklärt, sagte der Sprecher von Eastday. Neben den erhofften wirtschaftlichen Vorteilen bringt das Megaportal auch eine Medienkonzentration, die nicht von der gesamten Branche gut geheißen wird. Das gemeinsame Portal für Shanghai, das die Hauptstadt Peking gern als wichtigsten Internet-Standort der Volksrepublik China ablösen will, ist allerdings nur ein Aspekt des Mammutunternehmens. 160 Millionen Renminbi (rund 40 Millionen Mark) werden in die Aufrüstung des Shanghaier Kabelnetz investiert, das schon jetzt bereits 80 Prozent der Haushalte der Riesenstadt abdeckt. Ende des Jahres soll das Kabelnetz zu großen Teilen bereits interaktiv nutzbar sein. In drei Jahren rechnen die chinesischen Investoren mit 3 Millionen Kunden für die Kombination aus klassischen Medieninhalten, Kabelfernsehen und schnellem Internetzugang übers TV-Kabel.

Für die Gesamtinvestition von rund 7 Milliarden Renminbi (rund 1,7 Milliarden Mark) sei Shanghai allerdings auf ausländische Investoren angewiesen, schätzt die Financial Daily. Um die geltenden Investitionsverbote im Telekommunikations- und stärker noch im Medienbereich zu umgehen, werde man ausländische Investitionen für den Bereich Netzausbau und Technik reservieren. Gleichzeitig bekommt Eastday Konkurrenz von der IP-Seite. Über ein hochmodernes Glasfasernetz soll laut einem Bericht der China-Portalseite Virtual China bereits ein Test für Web-TV laufen. Shanghai bemüht sich derzeit, Boden gegenüber Peking und Kanton wettzumachen, die hinsichtlich Nutzerzahlen und registrierten Webseiten in der Volkrsepublik China bisher an erster und zweiter Stelle rangieren. (Monika Ermert) (jk)