Medikamente per Drohne

Vor nicht einmal einem Jahr galten Drohnen als Paketzusteller als absurde Idee. Doch in den Entwicklungsländern soll sie bald Wirklichkeit werden.

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Drohne von Matternet

Paketdrohne des US-Startups Matternet

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Der Drohnenhersteller Matternet will Anfang 2015 die ersten serienreifen Produkte vorstellen, um in unzugänglichen Gegenden Medikamente oder medizinische Proben zu transportieren. Das berichtet das Magazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 1/2015 (jetzt am Kiosk oder hier zu bestellen).

Im September machte das Matternet-Team gemeinsam mit der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ einen Feldversuch in Papua-Neuguinea. Dort brachten die Quadrocopter beispielsweise Speichelproben aus entlegenen Dörfern über eine Strecke von bis zu 25 Kilometern ins Labor. Das erleichtert die rechtzeitige Diagnose von Tuberkulose – über den Landweg kann der Transport Stunden, mitunter sogar mehr als einen Tag dauern.

Die Quadrocopter wiegen etwa ein halbes Kilogramm, können dank eingebauter Kamera autonom landen und lassen sich per App laut Matternet auch ohne große Vorkenntnisse bedienen. Künftig sollen sie regelmäßig in Zusammenarbeit mit „Ärzte ohne Grenzen“ oder der Weltgesundheitsorganisation WHO eingesetzt werden. Später will Matternet – ebenso wie Amazon, Google und DHL – auch in der Ersten Welt einen Paket-Lieferdienst per Multicopter etablieren.

Rechtliche Probleme sind in menschenleeren Gegenden wie Papua-Neuguinea nicht zu erwarten. Fällt eine Drohne dort vom Himmel, verschluckt sie der Dschungel. In westlichen Ländern ist die Lage komplizierter. In Deutschland dürfen ferngesteuerte Flieger zwar von jedermann ohne Genehmigung geflogen werden, aber nur, wenn sie weniger als fünf Kilogramm wiegen und keinem kommerziellen Zweck dienen. Ansonsten brauchen sie eine Aufstiegserlaubnis, die allerdings Ländersache ist und entsprechend uneinheitlich gehandhabt wird. Nach der gegenwärtigen Rechtslage müssen die unbemannten Flugobjekte zudem immer in Sichtweite des Piloten bleiben, was autonome oder per Videobrille gesteuerte Flieger weitgehend ausbremst – und damit auch viele interessante Anwendungen wie den Pakettransport. Auch der Pilotversuch von DHL, die Nordseeinsel Juist mit Drohnen zu beliefern, wird deshalb wohl nicht so bald zu einem regelmäßigen Dienst werden.

In den USA sollte die dortige Luftfahrtbehörde FAA eigentlich bis September 2015 klare Richtlinien für kommerzielle Drohnen erlassen. Sie hängt aber hinter dem Zeitplan zurück. Ein erster Entwurf sieht vor, dass die Fluggeräte nur tagsüber, bis in einer Höhe von 120 Metern und mit Pilotenschein geflogen werden dürfen. Bis zur Umsetzung des Gesetzes können noch zwei Jahre vergehen. Matternet hat also noch viel Zeit, seine Technik in Entwicklungsländern zu perfektionieren

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