CES 2015: Alles voller Computer zum Anziehen

Bei der Messe Consumer Electronics Show in Las Vegas zeigt die Branche jetzt wieder, was sie zu bieten hat. In diesem Jahr ganz vorn mit dabei: Wearable Computing.

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Von
  • Rachel Metz

Bei der Messe Consumer Electronics Show in Las Vegas zeigt die Branche jetzt wieder, was sie zu bieten hat. In diesem Jahr ganz vorn mit dabei: Wearable Computing.

Die International Consumer Electronics Show, die in dieser Woche in Las Vegas stattfindet, ist ein riesiges Fest für jedes technische Spielzeug, das man sich nur vorstellen kann – von Smartphones mit selbstreinigenden Bildschirmen bis zu selbstfahrenden Autos. In der Vergangenheit war auf der Messe zwar nicht nur wirklich Zukunftsträchtiges zu sehen (man denke nur an 3D-Fernseher). Doch sie zeigt die besten Vermutungen der Branche, was Elektronikkonsumenten als Nächstes haben wollen.

In diesem Jahr scheint sich besonders bei Wearable Computing, also am Körper zu tragender Computertechnik, viel zu tun: Unternehmen auf der CES stellen alle möglichen Geräte dieser Art vor, mit Anwendungen von Baby-Überwachung bis Meditation.

Bei der Pressevorschau am Sonntag gab es reichlich Wearables für Nischenanwendungen zu sehen. Zum Beispiel die Kamera Ego LS von Liquid Image, einem Unternehmen aus Santa Rosa in Kalifornien: Sie soll Live-Videos über das 4G-Netzwerk von Verizon streamen können (wofür aber wie bei ähnlichen Geräten ein eigener Mobilfunkvertrag erforderlich ist). Die Kamera soll ab März zu haben sein und mit einem abnehmbaren 4G-Modul 399 Dollar kosten. Zusätzlich soll sie mit einigen bisher nicht genannten Tracking-Systemen zusammenarbeiten, so dass Daten zur Aktivität des Nutzers live angezeigt werden können.

Zugleich arbeiten die Hersteller von Wearables an Methoden, genauere und tiefer gehende Messungen vorzunehmen als mit einfachen Beschleunigungssensoren. Zensorium aus Singapure zum Beispiel will bald mit dem Verkauf eines Geräts namens Being beginnen, das sich als Smartwatch tragen oder an die Kleidung klemmen lässt. Am Handgelenk getragen, kann ein optischer Sensor auf der Rückseite durchgehend Blutdruck und Herzfrequenz messen, woraus ein Stressniveau berechnet wird. Die Uhr soll in drei Monaten verfügbar sein und 199 Dollar kosten.

Zu den etwas merkwürdig aussehenden Wearable-Angeboten der Messe zählt das am Kopf zu tragende Melomind von myBrain Technologies aus Paris. Dabei handelt es sich um eine digitale Meditationshilfe, die EEG-Messungen an das Smartphone weitergibt.

Melomind sieht aus wie eine Mischung aus Stirnband und Fahrradhelm; mehrere Metallelektroden haben Kontakt mit dem Kopf des Trägers. Thibaud Dumas, Mitgründer des Unternehmens, trug bei der Vorstellung selbst ein Melomind. Wie er erklärte, misst es die Gehirnwellen und schickt sie über Bluetooth an eine Smartphone-App. Diese App spielt Musik ein, die sich laut Dumas an veränderte Hirnaktivität anpasst und so beim Entspannen hilft. Das Gerät soll 299 Dollar kosten und voraussichtlich Ende 2015 auf den Markt kommen.

Ebenfalls auf der CES zu sehen: Pacif-i, ein Schnuller von einem Unternehmen namens Blue Maestro aus Großbritannien, der die Körpertemperatur von Babys misst und an Smartphones meldet. Oder Tzoa, ein Gerät von Clad Innovations aus Vancouver, das Luftverschmutzung und UV-Belastung erfasst.

Die vielen Geräte zum Anziehen und intelligenten Hausgeräte auf der CES könnten zugleich neue Chancen für Technologieunternehmen bringen, ihre Angebote auf das Nutzerverhalten abzustimmen, sagte Shawn DuBravac, Chefvolkswirt und Forschungsleiter der Consumer Electronics Association, bei einer Rede am Sonntag. Als Beispiel dafür führte er an: Netflix könnte bald intelligente Thermostaten, Heimkameras und Smartwatches auswerten und daraus schlussfolgern, dass jemand allein und traurig ist und friert – und dann einen guten Film zur Aufheiterung vorschlagen.

(sma)