Facebook: Innovation statt staatlicher Intervention

Den Regulierungswünschen von Telekom-Chef Tim Höttges hält Facebook-Manager David Marcus das Defizit europäischer Unternehmen in Sachen Innovationskultur entgegen.

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David Marcus

Leider wird schon wieder ĂĽber Protektionismus geredet, bedauert David Marcus.

(Bild: dpa)

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Facebook hält nicht viel von den Regulierungsträumen der Deutschen Telekom. Europäische Unternehmen sollten nicht auf staatliche Eingriffe setzen, sondern lieber ein Umfeld für Innovationen schaffen, sagte David Marcus am Rande der Konferenz DLD dem Wall Street Journal. Der für die Messenger-Produkte zuständige Facebook-Manager reagierte damit auf die von Telekom-Chef Tim Höttges am Sonntag vorgetragene Kritik, im Wettbewerb mit US-Internetriesen herrsche für Telcos keine Waffengleichheit.

"Niemand von uns kann mit diesen Jungs auf gleicher Ebene konkurrieren", hatte Höttges mit Blick auf Facebook, Google und Co gesagt. Die Internetunternehmen machten Milliardenumsätze auf den Netzen, müssten selbst aber nicht in diese Infrastruktur investieren. Auch bei neuen Geschäftsmodellen müsse die Politik in Europa müsse für einen regulatorischen Rahmen sorgen, der niemanden benachteilige.

Marcus hält dagegen: Die Frage sei doch vielmehr, wie viele Milliarden die Netzbetreiber mit dem Verkauf von Netzzugang machen, weil Menschen die Dienste von Anbietern wie Facebook nutzen wollen. "80 Prozent der Menschen, die für mobile Datenpakete bezahlen, wollen damit Zugang zu Diensten, die andere Unternehmen bereitstellen", sagte Marcus der Zeitung. Telefon und SMS alleine würden da kaum reichen.

Die Umsätze der Netzbetreiber zeigen laut Marcus, dass Internetzugang immer noch ein attraktives Geschäftsmodell ist und sich Investitionen in die Infrastruktur lohnen. Die europäischen Unternehmensführer sollten zudem überlegen, warum junge Talente lieber in die USA gehen, um ein Unternehmen zu gründen. "Stattdessen wird wieder über Protektionismus geredet, was ehrlich gesagt ziemlich enttäuschend ist", sagte Marcus.

Der gebürtige Franzose war 2007 selbst in die USA gegangen und hatte dort einen Zahlungsdienstleister gegründet, der 2011 von eBay übernommen wurde. Bei eBay war Marcus zunächst für das Mobilgeschäft von PayPal zuständig und übernahm nach dem Weggang von CEO Scott Thompson die Führung der eBay-Tochter. Im Sommer 2014 wurde sein Wechsel zu Facebook bekannt gegeben, wo er sich um ein Geschäftsmodell für den Messenger kümmern soll. (vbr)