Nächster Anlauf für Internet-Zugang aus dem All
Neue Mikrosatelliten lassen ein bislang zu teures Konzept wieder interessant erscheinen: Mehrere Unternehmen wollen weltraumbasierte Internet-Dienste anbieten.
- Dave Majumdar
Neue Mikrosatelliten lassen ein bislang zu teures Konzept wieder interessant erscheinen: Mehrere Unternehmen wollen weltraumbasierte Internet-Dienste anbieten.
Schon im Dotcom-Boom kam die Idee von Internet-Zugang über Satelliten im Orbit auf. Sie schien bereits gescheitert, doch dank des SpaceX-Gründers (und Dotcom-Millionärs) Elon Musk könnte sie jetzt doch noch Realität werden. Ein solcher Dienst wäre zwar teuer und riskant umzusetzen, doch neue technische Entwicklungen lassen ihn nicht mehr unmöglich erscheinen.
Musk hat vorgeschlagen, ein Netz aus rund 4000 Mikrosatelliten zu errichten, die weltweit schnellen Internet-Zugang ermöglichen. Partner dabei sind Google und Fidelity Investments, die 1 Milliarde Dollar für eine zehnprozentige Beteiligung investieren. Unterdessen arbeiten Richard Bransons Virgin Galactic und Qualcomm an einem ähnlichen Projekt namens OneWeb, das ebenfalls auf Mikrosatelliten basieren soll.
In den 1990er gab es bereits ähnliche Pläne. „Das Platzen der Dotcom-Blase hat die Finanzierung ausgetrocknet, so dass sie nie richtig ins Laufen kamen“, sagt Bill Ostrove, Analyst bei Forecast International. Ohnehin wären die Projekte vermutlich gescheitert, denn der Start eines Satelliten kostet 60 bis 70 Millionen Dollar, und es gibt stets eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die teure Fracht durch einen Unfall zerstört wird.
Glasfaserleitungen dagegen sind billig und leicht zu verlegen, selbst in schwierigen Umgebungen wie dem Meeresgrund, und sie können enorme Datenmengen transportieren. Internet über Satellit erfordert Funktechnik, was Begrenzungen durch das verfügbare Spektrum sowie die Stromversorgung über Solarmodule bedeutet. Die meisten Kommunikationssatelliten haben Transferraten von rund 1 Gigabit pro Sekunde, während es bei schnellen Glasfasern mehrere Terabit sind.
Allerdings hat sich seit den späten 1990er einiges verändert. Zum einen ist die Satelliten-Technologie vorangekommen, was die Kosten für den Aufbau eines Netzes deutlich verringert. Mikrosatelliten in Toaster-Größe lassen sich im Dutzend ins All schicken, und sie müssen keine sehr hohe Umlaufbahn erreichen, was die Starts billiger macht. Trotzdem sind die neueren Satelliten ebenso leistungsfähig wie große ältere, die weiter weg die Erde umkreisen.
SpaceX und Virgin Galactic wollen zudem von einem weiteren Trend profitieren: Sie zielen auf Gegenden in der Welt ab, in denen es noch kaum Infrastruktur und damit enormes Internet-Wachstumspotenzial gibt. Wo es schon Glasfaser-Netze gibt, lohnen sich Satelliten-Dienste weniger. Musk sagt deshalb, sein Internet-Dienst sei vor allem für abgelegene Regionen gedacht.
„Es gibt große Landstriche mit relativ geringer Nutzerdichte“, sagte Musk Ende Januar bei der Eröffnung eines neuen SpaceX-Entwicklungszentrums für Satelliten in Seattle. „Versorgung aus dem Weltraum ist dafür ideal.“
Musk und Branson sind nicht die einzigen, die das Marktpotenzial erkannt haben. Google beteiligt sich nicht nur an Musks Projekt, sondern arbeitet auch an einem System für Internet-Zugang über Stratosphären Ballons namens Loon. Gleichzeitig entwickelt Facebook in großer Höge fliegende und sehr haltbare Drohnen, die ebenfalls Internet-Zugang für abgelegene Gegenden bringen sollen. Diese beiden Projekte ähneln den weltraumbasierten Systemen, arbeiten aber innerhalb der Erdatmosphäre.
Ob der SpaceX-Dienst auch für Nutzer in den Industrienationen eine interessante Alternative wäre, wie Musk andeutete, ist unsicher. Laut Ostrove können Satelliten bei Bandbreite und Preisen schlicht nicht mit Glasfaser-Netzen mithalten.
Zudem könnten die Neustarter noch erhebliche Probleme mit ihrer Technologie bekommen. Nach vielen Jahren Versuch und Irrtum hat es SpaceX letztlich geschafft, funktionierende Raketen zu bauen – aber noch keine Satelliten.
(sma)