Die T-Batterie: Strom von der Telekom?

Mit ihren riesigen Batteriekapazitäten könnte die Telekom in das Energiegeschäft einsteigen. Ein Pilotprojekt lief bereits.

vorlesen Druckansicht 331 Kommentare lesen
Die T-Batterie kommt
Lesezeit: 3 Min.

Bei Energieanbietern denken die meisten Deutschen wahrscheinlich nicht sofort an ein Telekommunikationsunternehmen. Dabei verfügt die Telekom über Techniken, die gerade in der Energiewende gefragt sind, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe: Riesige Batterien, die als Notstromreserve zur Verfügung stehen, aber ebenso das Stromnetz stabilisieren können. Heiko Lehmann von den T-Labs der Telekom hat die technische Machbarkeit überprüft. "Mit der ererbten Infrastruktur sind wir gut aufgestellt für die neu dezentrale Energiewelt", meint der Research & Innovation Director Smart Energy auf dem Innovationskongress von Technology Review.

Die Telekom ist einer der größten Energieverbraucher in Deutschland mit 3,2 Terawattstunden Strom und Kosten von mehreren Hundert Millionen Euro im Jahr. Damit die Telekommunikationsanlagen zuverlässig und ausfallsicher funktionieren, unterhält das Unternehmen eine flächendeckende eigene Energieversorgungsinfrastruktur: Für die Notstromversorgung stehen an 8000 Standorten zirka 20 Mega-Amperestunden in Form von Bleibatterien bereit, mit einem Vergleichswert von rund einer Giga-Wattstunde. Da diese Reserve sehr großzügig ausgelegt ist, wären die Batterien Lehmann zufolge hervorragend geeignet, um Schwankungen im Netz abzufangen — ohne den Betrieb der Telekommunikations-Infrastruktur zu gefährden.

Erste Tests verliefen erfolgreich, der unternehmensinternen Markt erwies sich ökonomischer Sicht aber zu klein, um Einnahmen zu erzielen. Doch das System funktionierte, die Technik erfüllte die strengen Prüfvorschriften für das öffentliche Netz und so wagte das Team den Schritt in den Primärenergiemarkt, laut Lehmann der lukrativste Markt in Deutschland. Die Telekom startete ein Pilotprojekt mit dem Energieunternehmen Vattenfall: Batteriespeicher für die Primärregelung. Die Präqualifizierung als Anbieter für Primärregelenergie ist gelungen, die Möglichkeit für eine Vermarktung geschaffen.

Weil die Preise für derartige Diensteleistungen derzeit jedoch zu gering sind, will die Telekom nach einer aktuellen Entscheidung keine Primärregelenergie auf dem Markt anbieten. "Die Ausfallsicherheit des Telekommunikationsnetzes steht für den Konzern an erster Stelle", so ein Unternehmenssprecher.

Lehmann denkt derweil weiter: Er möchte in leer stehenden Telekom-Gebäuden in Ballungsgebieten Blockheizkraftwerke installieren. Diese Standorte sind laut Lehmann ideal: "Wir glauben, dass das Telekommunikationsnetz denselben hierarchischen Designprinzipien folgt wie das Energienetz: Es richtet sich nach der menschlichen Aktivität. Wo viele Menschen sind, wollen sie kommunizieren und auch Energie verbrauchen." (Hans Dorsch)

UPDATE: In einer früheren Version war nur von "Kraftwerken in Ballungsräumen" die Rede. Es sind "Blockheizkraftwerke" gemeint. Vergleichswert ergänzt. Aktuelle Entscheidung der Telekom ergänzt: Das Unternehmen hat sich dagegen entschieden, in den Markt für Primärregelenergie einzusteigen.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

(bsc)