GDC: Roboter lösen Puzzles in „The Talos Principle“

Während ein Mensch zur Lösung des Puzzle-Spiels „The Talos Principle“ über 20 Stunden benötigt, schafft es ein Bot in 20 Minuten. Die Entwickler vom Croteam nutzten einen solchen Bot, um neue Programmversionen zu testen und Puzzles zu optimieren.

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Mit „The Talos Principle“ betrat der Entwickler Croteam neues Terrain. Zuvor war das kroatische Studio durch die gradlinigen Shooter der Serious-Sam-Reihe bekannt geworden. In „The Talos Principle“ sollten Spieler nun Puzzles lösen. Dieser Genre-Wechsel machte einen neuen Entwicklungsprozess notwendig, den die Projektleiter Alen Ladavac und Davor Hunski auf der Game Developers Conference in San Francisco vorstellten.

Alen Ladavac und Davor Hunski von Croteam erläuterten auf der GDC, wie sie ihr komplexes Puzzlespiel dank ausgefeilter Testwerkzeuge mit einem kleinen Team in lediglich zwei Jahren fertigstellen konnten.

Weil Croteam mit dem Puzzle-Genre zuvor wenig Erfahrung hatte, mussten die Entwickler viele Iterationen durchführen und das Spieldesign Stück für Stück verbessern. Solche Iterationen benötigen jedoch sehr viel Zeit, weil jede kleine Änderung am Code eine unvorhergesehene Auswirkung an anderer Stelle haben und das Spiel unlösbar machen kann. In einem kleinen Team von etwa 20 Entwicklern hätte dieser Prozess zu lange gedauert und die Entwicklungszeit von zwei Jahren hinausgezögert.

Für einen kompletten Durchgang des Spiels benötigt ein gewöhnlicher Spieler 20 bis 50 Stunden. Selbst ein menschlicher Tester, der alle Tricks kennt, braucht für „The Talos Principle“ noch immer zehn Stunden [—] viel zu lang, um tatsächlich jeden neuen Build komplett zu testen, zumal anfangs nur drei interne Tester zur Verfügung standen.

Um diesen Prozess zu beschleunigen, programmierte das Croteam einen Bot, der die Puzzles wesentlich schneller durchlaufen konnte. Dieser Bot zeichnete die Aktionen eines menschlichen Spielers auf und spulte sie dann in kürzester Zeit ab. Somit konnte ein Bot jede neue Version des Spiels im beschleunigten Modus in 20 Minuten komplett durchspielen und eine Log-Datei erstellen. In dieser Auflistung sahen die Entwickler, welche Puzzles durch ihre Änderungen nicht mehr richtig funktionierten und welche Türen sich im Spiel auf einmal nicht mehr öffnen ließen.

Nachdem das grundsätzliche Spielprinzip mit allen Puzzles nach einem Jahr Entwicklungszeit in der Rohform feststand, konnten sich die Programmierer mit Hilfe des Bots ein weiteres Jahr an die Fehlerbeseitigung machen, redundante Puzzles weglassen und weitere Easter Eggs und Geheimlevel einbauen. Durch ihren Bot, der tausende von Fehlern aufdeckte konnten sie somit im zweiten Jahr etwa 15.000 Teststunden einsparen [—] ein menschlicher Tester hätte dafür über acht Jahre benötigt.

In der Debug-Version konnten Tester jeden noch so kleinen Fehler genau markieren.

(Bild: Croteam)

Doch das Team verließ sich nicht allein auf Bots. Hinzu kamen menschliche Probanden die dank des ausgeklügelten Fehlererfassungs-Systems der Debug-Version bei jedem Durchlauf umfangreiche Fehlerberichte erstellten. Weil Beta-Tester sich häufig scheuen, jeden noch so kleinen Fehler zu dokumentieren und sich nur auf große, wirklich störende Bugs konzentrieren, entwickelte das Croteam eine spezielle Eingabemaske, in der der Spieler direkt im Spiel Fehler markieren konnte.

Entwickler sahen bei jeder Rückmeldung genau, an welcher Stelle und unter welchem Blickwinkel ein Fehler auftrat, und konnten ihn so schneller beseitigen. Statt einiger weniger Bugs meldete jeder Tester über hundert Fehler. Der Aufwand machte sich letztlich bezahlt. Dank des ausgeklügelten Puzzle-Designs heimste „The Talos Principle“ von Kritikern viel Lob ein und gilt als die Puzzle-Überraschung des Winters. (hag)