Datenvisualisierung heute: Karl van den Bergh und Michael O'Connell von Tibco im Gespräch

Die großen Herausforderungen bei Big Data sind sicherlich nicht nur technischer oder rechtlicher Natur. Bei der Visualisierung großer Datenmengen mag der Einsatz geeigneter Werkzeuge insbesondere im Bereich der Business Intelligence besonders wichtig sein, bietet sie doch Szenarien, aus dem Datenmaterial anschauliche Analysen herleiten zu können.

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Von
  • Alexander Neumann
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Die großen Herausforderungen bei Big Data sind sicherlich nicht nur technischer oder rechtlicher Natur. Bei der Visualisierung großer Datenmengen mag der Einsatz geeigneter Werkzeuge insbesondere im Bereich der Business Intelligence besonders wichtig sein, bietet sie doch Szenarien, aus dem Datenmaterial anschauliche Analysen herleiten zu können.

Durch die Übernahme von Jaspersoft und die Einführung von visualize.js hat Tibco sein Portfolio in Sachen Visualisierung erweitert. Im Gespräch werfen Karl van den Bergh und Michael O'Connell ein Blick auf die Chancen dieses Geschäftsfelds.

heise Developer: Letztes Jahr hat Tibco mit visualize.js ein neues JavaScript-Framework zum Einbetten interaktiver Visualisierungen und Berichte vorgestellt. Warum denn noch eines, wo es doch mit D3.js und einigen anderen bereits etablierte Open-Source-Frameworks gibt?

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Ăśber Karl von den Bergh und Michael O'Connell

Karl van den Bergh (links im Bild zu Anfang des Artikels) kam 2010 als Produktmanager zu Jaspersoft. Vorher arbeitete er 18 Jahre für andere große Software-Hersteller im Bereich Marketing, darunter unter anderem auch für zahlreiche Start-Up- und Enterprise-Unternehmen. Seit der Akquise durch Tibco ist er für den neuen Bereich Produkt- und Kundenerfolg (Product and Customer Success) bei Tibco Jaspersoft zuständig.

Michael O'Connell (rechts im Bild) ist Entwickler/Chief Data Scientist bei Tibco und entwickelt Analytics-Produkte, die sowohl bei Finanzdienstleistern als auch bei Energiekonzernen oder im Retail- Sektor zum Einsatz kommen. Seine Expertise als langjähriger Entwickler und Professor für Statistik an der North Carolina State Universtiy ist in in über 50 verschiedenen Veröffentlichungen festgehalten.

Karl van den Bergh: Die Entscheidung, ein eigenes JavaScript-Framework zu entwickeln, fiel aufgrund der eingeschränkten Funktionsweise der existierenden. D3.js zum Beispiel eignet sich nur als Charting-Bibliothek, bringt aber keine integrierte Business-Intelligence-Funktionen (BI) mit. Mit visualize.js ermöglichen wir den Zugang zu einer kompletten BI-Plattform, denn es lässt sich mit anderen JavaScript-Frameworks nutzen, die in der Community vorherrschen, zum Beispiel Dojo und jQuery. visualize.js umfasst viel mehr Funktionen als eine reine Charting-Bibliothek. Es ermöglicht zum Beispiel das Erstellen von Dashboards, Reports und In-Memory-Datenanalysefunktionen. Nichts davon wäre mit D3.js allein umsetzbar.

heise Developer: Wer ist die Zielgruppe fĂĽr visualize.js?

Van den Bergh: Am meisten profitieren Entwickler, die Reports und Dashboards in ihre Applikationen einbetten möchten. Mit visualize.js steht ihnen ein einfaches und gleichzeitig umfangreiches Tool mit zahlreichen Features zur Verfügung.

heise Developer: Und wie grenzt sich das Framework von iframes ab?

Van den Bergh: Mit iframes lassen sich BI-Funktionen leicht in eine Webapplikation einbetten. Diese Technik ist besonders bei Business-Anwendern mit wenig Vorkenntnissen beliebt. iframes funktioniert schnell – allerdings ist es weniger leistungsstark als visualize.js, da keine Interaktion mit der Client-Applikation möglich ist. visualize.js erlaubt Interaktion zwischen den Applikationen und Dashboards durch einen einfachen Klick. Welches Frame wirklich besser ist, hängt immer vom spezifischen Anwendungsfall ab.

heise Developer: Welche Rolle spielt JavaScript insgesamt in dem Umfeld? Es hat den Anschein, dass durch den späten Erfolg von JavaScript in den letzten Jahren frühere Techniken zur Visualisierung außen vor sind.

Van den Bergh: Diesen Eindruck kann ich bestätigen. Wir haben uns vor ein paar Jahren aus genau diesem Grund für JavaScript entschieden und das Frontend unseres Servers vollständig auf HTML5 und JavaScript umgestellt, weil wir der Überzeugung waren, dass der Markt sich so entwickeln würde. Zuvor hatten wir eine Flash-basierte Bibliothek – visualize.js erweitert die graphischen Darstellungsmöglichkeiten.

Ein JavaScript-Framework ermöglicht es dem Nutzer, JS-Grafiken in Spotfire zu integrieren und die Palette an grafischer Tools zu erweitern. Bildelemente können zum Beispiel aus dem quelloffenen D3 stammen oder aus kommerziellen Paketen wie highcharts. Sind sie einmal importiert und konfiguriert worden, verhalten sie sich wie Spotfire-Grafiken.

Wir fühlen uns damit gut aufgestellt. Der JavaScript-Trend wird meiner Einschätzung nach besonders im Bereich Visualisierungen, Big Data und BI zunehmen.

heise Developer: Bei der Datenanalyse sind Programmiersprachen wie Python, R oder neuerdings auch Julia populär. Wie bedienen Sie die zugehörigen Communitys?

Van den Bergh: Hier ist zwischen clientseitigen und serverseitigen Skriptsprachen zu unterscheiden. Für die Clientseite ist JavaScript ein sehr gebräuchliches und hilfreiches Tool geworden, da es eine Menge Funktionen enthält. Auf der Backendseite gibt es andere Entwicklersprachen wie Python, R oder auch PHP. Für sie haben wir einige Plug-ins in petto. Unser Fokus liegt allerdings auf der Clientseite, also auf JavaScript.