Smartwatches werden mehr und schicker
Intelligente Uhren sollen ein neues lukratives Geschäftsfeld für Elektronikfirmen werden. Noch allerdings ist nicht klar, ob und wie sich viele Käufer dafür finden lassen.
- Lucas Laursen
Intelligente Uhren sollen ein neues lukratives Geschäftsfeld für Elektronikfirmen werden. Noch allerdings ist nicht klar, ob und wie sich viele Käufer dafür finden lassen.
Die neue Geräteklasse der Smartwatches kann weitaus mehr, als dem Träger die Uhrzeit zu verraten – beispielsweise zeigen die intelligenten Uhren auch an, wie oft ein Beitrag auf Twitter wiederholt wurde. Auf dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona wurden einige neue Modelle vorgestellt. Neben Funktionen haben sie endlich auch schicke Formen zu bieten – aber noch ist offen, womit sich die meisten Kunden gewinnen lassen.
Gerätehersteller tun derzeit viel dafür, Konsumenten für Smartwatches zu begeistern, die sich verglichen mit Smartphones oder Tablet-Computern bislang nur schleppend verlaufen. Im nächsten Monat soll die Apple Watch auf den Markt kommen. Sie dürfte der Kategorie entweder einen Schub geben oder bestätigen, dass es sich dabei nur um eine Nische handelt.
Anders als die erste Generation von Smartwatches würden die LG Urbane oder die Huawei Watch auch als klassische Luxusuhren durchgehen, wenn ihre runden Bildschirme im Zeitmodus sind. Beide sehen gut aus und sind in verschiedenen Farben mit Metall und Lederbändern zu haben. Während die meisten anderen Smartwatches eine Abdeckung aus gehärtetem Glas haben, kommt die von Huawei mit einer aus Saphirkristall.
Wie die meisten anderen heutigen Smartwatches benutzt die Huawei Watch das Betriebssystem Android. Die Urbane wiederum gibt es in zwei Versionen, eine mit Android, eine mit WebOS; das Betriebssystem wurde ursprĂĽnglich fĂĽr Smartphones und Tablets von HP entwickelt, ist aber jetzt ein Open-Source-Projekt. Weder Huawei noch LG haben bislang Preise fĂĽr ihre Uhren genannt.
Vertreter von LG räumen ein, dass es sich beim Einsatz von WebOS um ein Experiment handelt. Dank Mobilfunkchip und Antennen kann man mit der Urbane-Variante LTE auch telefonieren und SMS verschicken, ohne sie an ein separates Smartphone anzubinden. Solche Anrufe wie bei Dick Tracy sind nichts völlig Neues: Sie waren schon seit dem Marktstart der Samsung-Smartwatch Gear S im vergangenen Jahr möglich, die allerdings zur Einrichtung ein Samsung-Smartphone verlangt. Ob ein am Handgelenk getragenes Gerät diese Funktion überhaupt braucht, ist jedoch fraglich.
Was sich an den Exponaten auf dem Mobile World Congress diese Woche ebenfalls zeigte: Uhrenhersteller, Fitness-Unternehmen und Smartphone-Anbieter sind dabei herauszufinden, wie sie sich gegenseitig unterstützen können. Die Huawei Watch etwa wurde zusammen mit dem Talkband ausgestellt, einem Armband mit abnehmbaren Bluetooth-Ohrhörer. Und an einem Stand in der Nähe gab es eine Wand mit Fitness-Bändern in mehr Farben als bei einem Regenbogen.
Damit sich Smartwatches besser verkaufen als solche Fitness-Bänder, die den Markt für tragbare Elektronik derzeit dominieren, muss etwas passieren. Laut einer Studie von PriceWaterhouse Coopers aus dem vergangenen Jahr zeigten sich 51 Prozent der befragten Konsumenten interessiert an Fitness-Bändern, aber nur 35 Prozent sagten, dass sie eine Smartwatch wollen. Die Umsätze zeigen eine noch deutlichere Präferenz für Muskeln statt Hirn: Laut der Marktforschungsfirma GfK wurden 2014 rund 13,5 Millionen Gesundheits- und Fitness-Tracker verkauft, aber nur 4 Millionen Smartwatches.
Manche Hersteller wetten darauf, dass sie den Reiz ihrer Smartwatches mit mobilen Zahlungstechnologien steigern können. Wie die Apple Watch verfügt die Urbane LTE über eine Antenne für den Nahfunk-Standard Near-Field Communication.
Die nächsten Uhren werden möglicherweise außer mit reinen Funktionen auch mit Nutzer-Interaktion und Design punkten müssen. Das scheint die Lehre aus der Erfahrung des Früheinsteigers Pebble zu sein, der für seine Uhren vor kurzem ein neues Design und neue Bedienoberflächen angekündigt hat. Im vergangenen Monat startete Pebble eine weitere Kampagne für Crowdfunding und Vorabverkauf, die fast 28-mal so viel Geld einbrachte wie anvisiert.
(sma)