Post aus Japan: Rückenentlastung für E-Bike-Fahrer

Ein schweres Ärgernis bei Elektrorädern ist bisher das ewige Hin- und Herschleppen des Akkus. Besonders für den Fahrradverleih sind E-Bikes daher ein teurer, weil arbeitsintensiver Gräuel. Eine Universität in Japan hat Abhilfe entwickelt.

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Von
  • Martin Kölling

Ein schweres Ärgernis bei Elektrorädern ist bisher das ewige Hin- und Herschleppen des Akkus. Besonders für den Fahrradverleih sind E-Bikes daher ein teurer, weil arbeitsintensiver Gräuel. Eine Universität in Japan hat Abhilfe entwickelt.

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus – und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.

Der neueste Schrei für Handys und smarte Uhren sind schnurlose Ladestationen. Nutzer müssen ihre Geräte nicht mehr mit Ladegeräten oder –kabeln verbinden, sondern einfach auf eine Ladeplatte legen oder wie Apples neuen Handgelenksschmuck magnetisch andocken. Doch wie viel lieber wäre mir diese Technik bei Geräten mit größeren und damit schweren Akkus, zum Beispiel elektrischen Fahrrädern.

Bisher muss ich die Batterie aus ihrem Halter nehmen und die Treppen hochschleppen. Das ist lästig, aber für mich noch tragbar. Aber die Hauptzielgruppe für E-Bikes in Japan, nämlich ältere Damen und Herren, leidet. Schließlich haben sie sich die elektrische Trethilfe angeschafft, weil Muskeln und Knochen eben nicht mehr so wollen. Nun endlich verspricht eine Universität in Tokios Norden Abhilfe: Gemeinsam mit dem japanischen Hersteller von Netzanschlüssen und Hochspannungsgeräten Bellnix hat die Fakultät für Ingenieurswesen an der Saitama Universität eine fest installierte Station für schnurloses Laden entwickelt.

Kleine klappradgroße Zweiräder, die im japanischen Fahrradverleih üblich sind, werden schlicht in den Fahrradständer gerollt und angedockt. Und schon kann der Strom über ein Ladegerät an der Vorderradgabel von der Ladestation zur Batterie fließen, die zwischen Sitzstange und Hinterrad befestigt ist.

Das Set-up ist sicherlich keine riesige technische Sensation, aber ein Beispiel für eine gelungene Anwendungsforschung mit wirtschaftlichem Potenzial. Schon der erste Zielmarkt, der boomende Fahrradverleih, verspricht guten Absatz. Denn dort verspricht das schnurlose Laden nicht nur die größten Sparmöglichkeiten. Schließlich muss nun niemand mehr umherfahren, die Akkus kontrollieren, bei Bedarf austauschen und irgendwo aufladen.

Außerdem ist ein wichtiges Problem elektrischer Mobilität gelöst: die Stromversorgung, teilweise bis hin zum Fahrradständer. Die Verleihe haben in der Regel einen Automaten zum Bezahlen, der daher einen Stromanschluss hat. Oft sind auch die Ständer elektronisch kontrolliert und damit elektrisch vernetzt.

Doch auch für Senioren könnte ich mir die Technik vorstellen. Natürlich ist die Verbreitung schwerer. Schließlich müssten in Wohnblöcken und vor allem Altenheimen Ladestationen aufgebaut werden und die Interessenten normierte Räder kaufen. Aber dies sind lösbare Probleme, vor allem in Japan. Denn bei Fahrrädern ist der Massenmarkt bereits freiwillig recht vereinheitlich. Schließlich entscheiden sich die Japaner bei Nutzrädern nur für wenige Radarten, deren einzelnen Modelle sich dann sehr ähnlich sehen. Dies sollte die Einführung schnurlosen Ladens von E-Bikes deutlich vereinfachen. ()