FrĂĽh aufstehen, hart arbeiten
Wissenschaftler haben Früh- und Spätaufsteher gegeneinander antreten lassen – beim Schummeln.
Wissenschaftler haben Früh- und Spätaufsteher gegeneinander antreten lassen – beim Schummeln.
Ich kriege immer so einen Hals, wenn mir irgendwelche Leute erzählen, dass das schön ist, weil es dann Abends eine Stunde länger hell ist. Echt jetzt - solche Leute dürfen wählen. Natürlich ist es nicht eine Stunde länger hell. Schließlich wird die Erde am Wochenende nicht auf ihrer Umlaufbahn verschoben.
Aber Brainwashing ist ja mittlerweile anscheinend zum Volkssport geworden: Facebook ist ein soziales Netzwerk, Reformen verbessern die Wettbewerbsfähigkeit und disruptive Innovationen sind gut für den Kunden.
Aber zurück zur Sommerzeit: Was mich an der Zeitumstellung nervt, ist nicht nur der Selbstbetrug, der mit der Sommerzeit einhergeht. Was mich besonders weich macht ist diese zur Schau gestellte Munterkeit, Agilität und Leistungsbereitschaft der Frühaufsteher: Morgenstund hat Gold im Mund, der frühe Vogel fängt den Wurm und all diese Dinge. Kurz: Es gibt eine weit verbreitete Auffassung, nach der Frühaufsteher nicht nur fleißig und strebsam sind, sondern moralisch auch weit gefestigter als zweifelhafte Intellektuelle, die sich am späten Vormittag mal aus dem Bett quälen.
Maria Konnikova hat die Diskussion im New Yorker schön zusammengefasst – und sie berichtet, dass es noch ein paar kritische Wissenschaftler gibt, die nicht alles glauben, was man ihnen so erzählt. Brian Gunia, Christopher Barnes und Sunita Sah haben die These von der moralischen Überlegenheit nämlich auf den wissenschaftlichen Prüfstand gestellt.
Sie ließen (hier das Paper) ihre Probanden kleine Spielchen spielen, die man mit Schummeln leichter gewinnt. Das Resultat: Morgenmenschen betrügen Abends tatsächlich mehr als Morgens. Umgekehrt gilt das aber auch. Abendmenschen neigen dazu, Morgens mehr zu schummeln. Kurz gesagt: Moralisch fragwürdiges Handeln ist wahrscheinlicher, wenn man Menschen dazu bringt, gegen ihre innere Uhr zu leben.
Leider, schreibt Konnikova, sind die Nachtmenschen immer im Nachteil. Denn sie sind mit ungefähr 40 Prozent in der Minderheit. Immerhin. Ein kleiner Trost. Ich bin kein schlechter Mensch. Müde werde ich trotzdem sein. (bsc)