Smarte Arbeitskleidung erkennt Fehlhaltungen
Deutsche Wissenschaftler werkeln an einem Anzug mit eingenähter Sensorik, der körperlich arbeitenden Personen helfen soll, eine gesunde Haltung anzunehmen.
(Bild: DFKI)
Ein cleveres Kleidungsstück soll Menschen in körperlich anstrengenden Berufen gesünder arbeiten helfen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe: Der "Sensoranzug zur individuellen Rückmeldung körperlicher Aktivität", kurz SIRKA, erkennt Fehlhaltungen und schädliche Bewegungsabläufe, die zu Überbelastung des Muskel- und Knochen-Apparats führen können.
Die smarte Bekleidung wird im Rahmen eines zweijährigen, vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts von einem Konsortium um die Firma Budelmann Elektronik aus Münster entwickelt. Beteiligt ist auch das DFKI. Im Torso-, Arm- und Beinbereich des äußerlich ganz normal aussehenden Anzugs sind Beschleunigungssensoren eingenäht, um die Bewegungen des Trägers zu erfassen.
Das SIRKA-Prototypsystem ist derzeit für Schweiß- und Elektroarbeiten beim Schiffbau und für die Arbeit bei medizinischen Rettungsdiensten ausgelegt, lässt sich aber auch an andere Aufgabenstellungen anpassen. Es wird unter anderem bei der Meyer-Werft in Papenburg und der Johanniter-Unfall-Hilfe in Berne getestet. Zuerst zeichnen die Sensoren in einem Diagnostikmodus die Bewegungsabläufe der Arbeiter auf. Anschließend prüfen Ärzte oder Physiotherapeuten die Daten mit einer Auswertesoftware und empfehlen bei problematischen Bewegungsmustern gesunde Alternativen oder auch den Einsatz von Hilfsmitteln.
Aber es geht nicht nur um die Diagnostik: Anschließend kann der SIRKA so programmiert werden, dass er seinen Träger automatisch über ein Audiosignal warnt, wenn dieser seinen Körper falsch belastet. Er soll zudem auch die über den Arbeitstag akkumulierte Gesamtbelastung ermitteln. Nach erfolgreichem Projektabschluss im kommenden Jahr soll der Anzug auch in anderen Berufsfeldern zum Einsatz kommen.
[Update 10.06.15 14:10 Uhr:] Wie Konsortialführer Budelmann Elektronik gegenüber Technology Review erklärte, habe man sich bei SIRKA hinsichtlich Datenschutz "viele Gedanken" gemacht. "So wurden beispielsweise von Beginn an die Betriebsräte der Unternehmen ebenso eingebunden wie deren Datenschutzbeauftrate und mehrere Berufsgenossenschaften", so Geschäftsführer Christoph Budelmann.
Ebenso sei direkt zu Beginn ein entsprechender Ethikantrag gestellt worden, "der auch im ersten Anlauf genehmigt wurde". Arbeitgeber erhielten auch keine Daten. "All dies sind Punkte, die eine fĂĽr den Arbeitnehmer nachteilige Nutzung der Daten explizit verhindern sollen."
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(bsc)