Handytracking soll Wartezeiten verkĂĽrzen
Smartphones geben oft ihr Vorhandensein über eine Funkkennung preis. Eine dänische Firma nutzt dies, um Schlangen in Wartebereichen besser zu steuern.
Smartphones geben oft ihr Vorhandensein über eine Funkkennung preis. Eine dänische Firma nutzt dies, um Schlangen in Wartebereichen besser zu steuern.
Lassen Smartphone-Nutzer WLAN und Bluetooth angeschaltet, können sie bekanntlich relativ einfach geortet werden: Passive Netzwerkscanner reichen aus – und kaum jemand macht sich die Mühe, die Funkverfahren abzudrehen, sind sie doch bei vielen Geräten standardmäßig aktiviert.
Beide Techniken senden regelmäßig eindeutige Signaturen (sogenannte MAC-Adressen), mit denen sich einzelne Smartphones auseinanderhalten lassen. Eigentlich soll das dabei helfen, schneller Verbindung mit Hotspots (WLAN) oder etwa einem Headset (Bluetooth) aufnehmen zu können.
(Bild:Â Blip Systems)
Die dänische Firma Blip Systems nutzt die digitale Schwatzhaftigkeit der Handy-Funkmodule nun dazu, Gerätebesitzer in einer Warteschlange zu zählen: Etwa vor der Sicherheitsschleuse im Flughafen, im Supermarkt oder in Verkehrsmitteln.
Am Airport können die Daten für jede Kontrollstation dann beispielsweise auf einem Display angezeigt werden – umgerechnet auf die Anzahl der Warteminuten. So sollen sich die Reisenden besser verteilen. Oder die Technik könnte dazu dienen, rechtzeitig weitere Stationen zu öffnen.
(Bild:Â Apple)
In den USA wird die Technik namens Blip Track im kommenden Sommer am Flughafen von Cincinnati installiert. In Tests soll es die durchschnittliche Wartezeit immerhin von 13,2 auf 8,9 Minuten gesenkt haben. In Amsterdam, Oslo, Toronto und Dubai läuft das System bereits. Blip Systems betont, dass das Unternehmen die Daten anonymisiert.
Martin Bowman vom Blip-Systems-Partner Lockheed Martin meint, dass das Anzeigen der möglichen Wartezeit Passagiere ruhiger mache. Das Schlangestehen werde durch "proaktives Informieren" weniger stressig, sagte er gegenüber der Witschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.
(Bild:Â Steve Jurvetson / Flickr / cc-by-2.0)
Geschätzt tragen die Hälfte aller Flughafenbesucher mittlerweile WLAN-Geräte mit sich herum, neben Smartphones auch Tablets oder Laptops, was für gute Genauigkeit sorgt. In Cincinnati möchte man Blip Track später auch für Wartezonen in Restaurants und Kaffeehäusern nutzen – für die Schlange bei Starbucks, beispielsweise.
Natürlich denkt man auch an die Marketingaspekte: Läden können deutlich genauer zählen, wie viele Besucher kommen und sogar, wie lange sie in einem Geschäft verweilen. Denn: Ist das funktechnisch schwatzhafte Mobiltelefon nicht mehr auffindbar, ist auch sein Besitzer verschwunden. Solche Systeme sind auch von anderen Anbietern seit längerem zu haben – dabei gilt als eines der Verkaufsargumente, dass die Nutzererfassung automatisch und ohne Nachfrage bei der Kundschaft geschieht.
Verfahren wie Apples iBeacon-Technik, die auf dem Nahbereichsfunk Bluetooth basieren und kleine Funksender verwenden, sind dagegen "Opt-in" – Nutzer müssen beispielsweise erst die App einer Ladenkette installiert haben, bevor sie auch Informationen zu Produkten erhalten oder als Besucher erkannt werden. Dabei ist aber auch eine Übertragung von mehr Nutzerdaten möglich. (bsc)