Postume Hilfe fĂĽr Alzheimer
Wissenschaftler untersuchen die öffentlichen Auftritte des 2004 verstorbenen US-Präsidenten Ronald Reagan systematisch auf erste Anzeichen seiner Demenzerkrankung.
Wissenschaftler untersuchen die öffentlichen Auftritte des 2004 verstorbenen US-Präsidenten Ronald Reagan systematisch auf erste Anzeichen seiner Demenzerkrankung.
Der im Juni vor elf Jahren aus dem Leben geschiedene legendäre US-Präsident Ronald Reagan steht im Mittelpunkt einer neuen Untersuchung, die nichts mit Politikwissenschaften zu tun hat.
Ein Team um die Forscher Visar Berisha und Julie Liss von der Arizona State University (ASU), die beide Sprach- und Hörwissenschaften lehren, hat zahlreiche Redemitschriften des 2004 mit 93 Jahren verstorbenen US-Präsidenten untersucht, um frühe Anzeichen seiner Alzheimer-Erkrankung zu identifizieren. Das könnte die Diagnostik in den kommenden Jahren verbessern.
(Bild:Â Visar Berisha / ASU)
Die Anzeichen zeigten sich dabei offenbar deutlich vor Reagans offizieller Diagnose mit der bislang unheilbaren Demenzerkrankung im Jahr 1994. Gegen Ende seiner zweiten Amtszeit (1985 bis 1989) häuften sich Wortwiederholungen in seinen Antworten bei Fragen von Medienvertretern, er ersetzte öfter konkrete Bezeichnungen durch allgemeine Begriffe wie "Ding". Besondere und sehr spezifische Vokabeln benutzte er dagegen vergleichsweise selten.
Um den verräterischen Sprachmarkern auf die Spur zu kommen, verglich das Forscherteam um Berisha und Liss insgesamt 46 Pressekonferenzen Reagans mit 101 Presseterminen seines gesunden Nachfolgers George H. W. Bush. Das gab ihnen eine laut eigenen Angaben genaue Datenbasis. Bush und Reagan passten auch deshalb, weil beide ungefähr gleich alt waren, als sie den Job des Präsidenten übernahmen (64 und 69). Zudem arbeiten sie beide in einer ähnlichen Ära, was den Wortschaft vergleichbar machte.
(Bild:Â Public Domain)
Die Forscher verwendeten einen Algorithmus, mit dem sie sonst eigentlich sprachliche Veränderungen bei Romanautoren untersuchen. Reagan geriet in den Fokus, weil er die einzige Person mit fortschreitender Demenz gewesen sei, von der über einen langen Zeitraum öffentliche Mitschriften seiner Kommunikation in einem frühen Stadium vorliegen.
Perfekt ist die Studie allerdings keineswegs, schreibt die "New York Times". So lässt sich nicht feststellen, ob sich ein Attentatsversuch auf Reagan im Jahr 1981, bei dem dieser verletzt wurde, nicht negativ auf seine Kognition ausgewirkt hat.
(Bild:Â KGH / Wikipedia / cc-by-sa-3.0)
Denkbar sei auch, dass Reagans Berater für eine Vereinfachung seines Sprachstils verantwortlich waren. 1984 schnitt Reagan zudem bei Wahlkampfdebatten erstaunlich schlecht ab – ob dies schon ein Anzeichen für eine beginnende Demenz gewesen sein könnte, darüber streiten sich Fachleute.
Die Erkenntnisse, die Berisha und Liss gewinnen könnten, sind dennoch spannend. Zwar gibt es keine wirksamen Mittel gegen Alzheimer. Doch die Forscher glauben, je früher die Krankheit erkannt wird, desto eher werde man sie mit späteren Medikamenten wohl auch behandeln können. Zudem gilt die Diagnose nicht immer als leicht. Auch hier würden Sprachmarker helfen. (bsc)