Europäische Domain-Registrare gründen Verein für .eu-Domain
Eine Gruppe von deutschen, italienischen, britischen und österreichischen Domain-Registraren haben CO-EUR gegründet, der beim Aufbau der neuen .eu-Domain mitreden möchte.
Eine Gruppe von deutschen, italienischen, britischen und österreichischen Domain-Registraren haben einen Verein mit dem Namen CO-EUR gegründet, der beim Aufbau der neuen .eu-Domain als Fachgruppe (constituency) mitreden möchte. "Wir sind 10 Gründungsmitglieder, haben aber inzwischen bereits 20 weitere Aufnahmeanträge erhalten", sagt Vereinspräsident Francois Collignon.
Collignon vom CORE-Registrar 7ways/tldnames sagte, man werde sich aller Voraussicht nach auch um den technischen Betrieb der neuen Registry bewerben. Dazu bedürfe es aber noch weiterer Partner, von Registrarseite und auch von Telekommunikations- und Softwareanbietern. "Es ist klar, dass kein einzelnes Registrierunternehmen das machen kann", meinte Collignon gegenüber heise online. Die erste Sitzung des CO-EUR soll am Rande des geplanten EC-POP-Treffens im Januar in Brüssel stattfinden, bei dem auf Veranlassung der Europäischen Kommission die sieben neuen allgemeinen TLDs ihre Konzepte präsentieren.
Gegründet wurde der Verein bereits Anfang November in Berlin, "eine gute Wahl, weil viele unserer Gründungsmitglieder deutsche Registrare sind", so Collignon. Die Entscheidung für die Gründung sei bei einer Zusammenkunft des EC-POP in Brüssel gefallen, danach habe man alle CORE-Mitglieder und auch alle in Europa aktiven ICANN-akkreditierten Registrare zum Mitarbeit aufgefordert, erklärte Collignon. Eine Nachfrage bei deutschen CORE-Mitgliedern ergab allerdings, dass nicht alle über die Gründungsversammlung informiert waren. Collignon betonte allerdings, dass der Verein allen europäischen Registraren offen stehe. CO-EUR habe organisatorisch nichts mit CORE zu tun.
In erster Linie will man mit dem Registrar-Verein ein Gremium schaffen, das die Europäische Kommission bei der Formulierung der Registrierrichtlinien unterstützt, sagte Collignon. "Wir machen damit auch einen ersten Schritt zur Etablierung einer Art At-large-Gremium beitragen." Collignon hatte bereits mehrfach auf die Notwendigkeit der Einrichtung mehrerer Fachgruppen im Stil der ICANN-Fachgruppen verwiesen. Neben Registraren sollen dort, so der Vorschlag der von der Kommission initiierten Arbeitsgruppe in ihrem Abschlussbericht, auch die Länderdomain-Manager, kommerzielle, private und institutionelle Nutzer und die IP-Nummern- und Rootzone-Verwalter vertreten sein. Ein Vertreter der Kommission äußerte sich inzwischen allerdings zurückhaltend in Bezug auf die Etablierung der Fachgruppen. Es handele sich bei dem Abschlussbericht nicht um ein Dokument der Kommission. Tatsächlich ist in dem Verordnungsentwurf der Kommission von einem "At-large"-Gremium zur Vertretung der Interessen von Internet-Nutzern nicht die Rede.
Ihren Verordnungsentwurf legt die Kommission am heutigen Freitag den Ratsvertretern für den Bereich Telekommunikation vor. In der bisherigen Form sichert er der Kommission weit gehende Kompetenzen bei den Entscheidungen über die .eu-Domain zu. "Im Entwurf ist nirgends ein Hinweis auf die Abstimmung mit dem Rat zu finden", sagte der Vertreter des deutschen Wirtschaftsministeriums, Michael Leibrandt. "Deshalb wird es noch Korrekturen geben müssen." Die Telekommunikations-Gruppe des Rates, der Industrie- und der Rechtsausschuss sowie das Parlament werden sich ab Februar kommenden Jahres mit der Verordnung beschäftigen. Eine transparenter Prozess bei der Vergabe der Registry-Funktion, etwa durch eine offene Ausschreibung, ist nach Ansicht von Leibrandt angebracht.
Um das Registry-Management wird sich dann aller Voraussicht nach auch der neue Registrarverein bewerben. Ob die Registrare eine einvernehmliche Lösung finden oder ein harter Konkurrenzkampf um die Non-Profit-Registry beginnt, muss abgewartet werden. "Man hat schon den Eindruck, dass sich da inzwischen verschiedene Züge in Bewegung gesetzt haben", so CORE-Registrar Elmar Knipp. (Monika Ermert) (jk)