Bitte kein Pomp!

Lässt sich Kommendes adäquat vorhersagen? Eine Aufsatzsammlung streitet um die seriöse Zukunftsforschung.

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Lässt sich Kommendes adäquat vorhersagen? Eine Aufsatzsammlung streitet um die seriöse Zukunftsforschung.

Der Wert einer Zukunftsvorhersage erweist sich dadurch, dass sie eintrifft – sollte man jedenfalls meinen. Falsch, argumentiert Technikphilosoph Armin Grunwald. Zukunft lasse sich grundsätzlich nicht vorhersagen.

Ob sich eine Prognose bewahrheitet, sage nichts darüber aus, ob sie "zum Zeitpunkt ihrer Erstellung nach bestem Wissen und Gewissen gut oder schlecht argumentativ begründet war".

Grunwald und die anderen Autoren dieser Aufsatzsammlung stellen alternative Kriterien für seriöse Zukunftsforschung auf: Wissenschaftler sollen unter anderem Unsicherheiten klar benennen, Vorannahmen transparent machen sowie deutlich zwischen wahrscheinlicher, wünschenswerter und möglicher Zukunft unterscheiden.

Zudem sollten sie sich jeglichen "Methoden-Pomps" enthalten – also nicht durch aufwendige Datenhuberei den Eindruck einer "exakten Berechenbarkeit zukünftiger Entwicklungen" erwecken.

Der akademisch dröge Duktus wird am Ende jedes Kapitels durch Fallbeispiele etwas aufgelockert. Ein wirkliches Lesevergnügen wird das Bändchen dadurch noch nicht. Aber immerhin sensibilisiert es für unseriöse Vorhersagen.

Lars Gerhold et al. (Hg.): "Standards und Gütekriterien der Zukunftsforschung. Ein Handbuch für Wissenschaft und Praxis", Springer VS, 208 Seiten, 34,99 Euro (bsc)