Kampf dem DRM-Account-Chaos

Ich verstehe ja irgendwie, dass Medienkonzerne ihre teuren Inhalte schĂĽtzen mĂĽssen. Aber warum ist das immer derart komplex, dass kopierschutzfreie Raubkopien dagegen begehrenswert erscheinen?

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Ich habe es noch nie kapiert: Wer brav legale DVDs, CDs oder gar online erhältliche Videos, Alben oder Bücher erwirbt, wird nach wie vor für seine Ehrlichkeit bestraft. Während der fröhliche Raubkopierer keinerlei Probleme beim Abspielen der heißen Ware auf den vielfältigsten Playern hat, ärgert man sich als gutartiger Konsument laufend mit dem herum, was man wohl nur als die Rache der vom Internet und entnervten Medienkonzerne bezeichnen kann   dummerweise allerdings am falschen Opfer.

DVDs und CDs besitzen inkompatible Kopierschutzverfahren, die bei so mancher standardgemäßer Hardware-Konfiguration Probleme bereiten, dabei sind die meisten Filme sowieso längst illegal im Netz. Kaufe ich ein kopiergeschütztes PDF-Buch und wechsele dann auf einen neuen Rechner, ist es plötzlich nicht mehr lesbar, weil die Verlage offenbar für jedes neue Bücherregal (= PC) eine eigene Kopie des Werkes verkaufen wollen. Selbst bei Plattencrashs kann das passieren, ohne Anspruch auf einen neuerlichen Download, sodass man den Kundenservice gegebenenfalls um eine "neue Chance" anbetteln muss.

Amazon hat neulich in Amerika einen durchaus interessanten Reader für elektronische Bücher auf den Markt gebracht   und natürlich ein völlig neues Rechtemanagement (DRM) aufgelegt, sodass ich, sollte ich mir die Komponente bei einem US-Besuch irgendwann einmal gönnen, alle meine sauer erworbenen Werke mit dem DRM-Verfahren von Adobe nicht nutzen kann.

Bei Hörbüchern habe ich aus unerfindlichen Gründen inzwischen zehn verschiedene Accounts ein und desselben Unternehmens, die ich bei jedem Computerwechsel neu aktivieren muss. Erwerbe ich Videos bei Quelle X, kann ich sie nur auf dem Player mit der DRM-Technik von Hersteller Y abspielen, deren konkrete Lebensdauer selbst der Hardware-Anbieter nicht vorhersagen möchte. Und sollte mir einfallen, einen Film gleichzeitig auf mehreren Geräten abspielen zu wollen, wird mir das sowieso zunächst verwehrt. Schließlich ist ja nur das erste beim Medienkonzern "registriert", ich könnte ja schwarzsehen.

Natürlich gibt es inzwischen Ansätze, all die oben geschilderten Probleme etwas abzumildern. So bieten Labels wie EMI inzwischen auch kopierschutzfreie Musik an. Kauft man die allerdings zum Beispiel bei Apple, wird jedem Titel die eigene E-Mail-Adresse eingebrannt, weil man der Kundschaft nicht vertraut, die ungeschützten Titel für sich zu behalten.

Wie man es dreht oder wendet, wir haben es mit einer Industrie zu tun, die ihre Kundschaft nur misstrauisch beäugt. Das ist ein Fehler, da man sich so den noch übriggebliebenen, sowieso weiter schrumpfenden Kuchen zerbröselt. Das sind alles Dinge, die seit Jahren bekannt sind. Geändert hat sich, und deshalb blogge ich das hier überhaupt nochmals, nahezu nichts. Neulich gab der Chef von Universal Music zu, man habe in früheren Zeiten, im Zeitalter von Napster, als der ganze Schlamassel los ging, das Internet nicht verstanden, nicht die passenden Experten ins Boot geholt. Traurig aber war: Das ist anscheinend immer noch so. Derweil beginnen Künstler, sich einfach selbst zu vermarkten. Das funktioniert erstaunlich gut. Vielleicht hilft es ja. (wst)