Warme Weihnachtsgrüße

"Heute machen wir uns mal kein Abendbrot, heute machen wir uns mal Gedanken", hat Wolfgang Neuss mal geschrieben. Ein Zitat, das wunderbar zu Weihnachten passt.

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"Heute machen wir uns mal kein Abendbrot, heute machen wir uns mal Gedanken", hat Wolfgang Neuss mal geschrieben. Ein Zitat, das wunderbar zu Weihnachten passt.

Und natürlich zum Jahreswechsel. Das war schon ein lustiges Jahr: Das IPCC und Al Gore kriegen den Friedensnobelpreis, der deutsche Umweltminister setzt bei einer internationalen Klima-Konferenz - mehr oder weniger erfolgreich - den Präsidenten der USA öffentlich unter Druck und im Aldi-Sortiment gibt's mittlerweile Sojamilch. Öko ist nicht nur salonfähig geworden, sondern geradezu hegemoniell. Wenn mir das einer vor zehn Jahren erzählt hätte, den hätte ich doch glattweg ausgelacht: Ende der Neunziger war Öko ungefähr so sexy, wie zu lange getragene Wollsocken. Grade noch gut genug, um eine Handvoll Greenpeace-Spezialisten zu ernähren, und das auch nur, wenn die mit Bildern von niedlichen Robbenbabys um Spendengelder werben.

Und jetzt ist alles wieder da: Man kann - man soll sogar – sich wieder öffentlich Sorgen machen, über die Zukunft und das Wohlergehen der Welt. Man kann mit seinen persönlichen Kaufentscheidungen dafür sorgen, dass die Welt zu guter Letzt doch noch ein bisschen besser wird. Und man kann sogar richtig Spaß dabei haben – zumindest kann man so viel Geld dabei ausgeben, dass man eigentlich richtig viel Spaß haben müsste.

Doch die Welle der Zustimmung, die den grünen Gedanken grade durch die Volksmassen trägt, wird wieder abflauen. Irgendwann – eher früher als später – reagieren die Leute wieder genervt auf Besserwisser (die ihnen erklären, dass der schöne Biosprit gar nicht soooo ökologisch ist, wenn für den Anbau der Palmen Dschungel brandgerodet wird) und Öko-Snobs (die sich ja sooo viel Sorgen darum machen, wie sehr die Unterschicht mit ihrem ungezügelten Fleischkonsum zum Treibhauseffekt beiträgt). Wer die Sorge um den Klimawandel nicht nur für einen PR-Gag hält, sollte vielleicht schon mal anfangen, sich um den nahezu unvermeidlichen Rollback Gedanken zu machen. Der lässt sich auffangen. Man muss dafür allerdings bereit sein, aus einigen historischen Erfahrungen zu lernen. Drei davon halte ich für besonders wichtig:

  1. Wissenschaft ist kein universeller Wahrheitsbringer:
  2. Messergebnisse sind fehlerbehaftet - Theorien sind nur so lange richtig, bis ihre Fehlerhaftigkeit durch neue Fakten belegt wurde. Letztendlich können also noch so viele Papiere, Gutachten und Zahlen keine politischen Entscheidungen darüber ersetzen, was man für wichtig hält und was nicht.

  3. Alarmismus ist letztendlich kontraproduktiv:
  4. Auch wenn es verführerisch erscheinen mag: Das nahe Ende der Welt zu prophezeien, um die Massen aufzurütteln, funktioniert wenn überhaupt nur kurzfristig. Wenn das Ende nicht kommt, zeigen sich die Massen meist wenig amüsiert (obwohl sie sich doch eigentlich freuen müssten). Übertreibung und Dramatisierung ist Gift für die eigene Glaubwürdigkeit.

  5. Es gibt Interessengegensätze, die zueinander in nicht auflösbarem Widerspruch stehen.
  6. Nicht jeder Fall von gegensätzlichen Interessen lässt sich durch eine Win-Win-Situation auflösen. In vielen Fällen bedeutet Ökologie für die produzierende Wirtschaft, dass bislang externalisierte Kosten mit auf die Rechnung geschrieben werden müssen. Das kann zu Auseinandersetzungen führen, ist aber kein existenzielles Drama.