Wurmlöcher im LHC

Wie im Film: Nach einem Aufsatz, den zwei russische Mathematiker verfasst haben, besteht eine nicht zu vernachlässigende Wahrscheinlichkeit, dass sich im Large Hadron Collider Wurmlöcher bilden.

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Frei nach der alten Hippie-Devise "Grow your own" wird das gute, alte Geschäftsfeld des frei schaffenden Naturforschers wieder zunehmend interessant: Wer braucht Universitäten oder staatliche Forschungsinstitute, wenn man jetzt schon sein eigenes kleines Synchrotron kaufen kann?

Ok, das Ding mit dem eigenen Teilchenbeschleuniger in der Scheune wird wohl noch etwas warten müssen. Aber das ist vielleicht ja auch ganz gut so: Der Physik-Nobelpreisträger Robert B. Lauglin sagt ja allen Ernstes, dass die Forschung am Cern nur deshalb finanziert wird, weil nach dem Atombomben-Schock alle Welt befürchtet hat, dass die subatomare Physik noch mehr solcher unangenehmer Überraschungen bereit hält.

Und vielleicht hat der Mann ja mehr Recht, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Denn nach einem Aufsatz, den zwei russische Mathematiker verfasst haben, besteht eine nicht zu vernachlässigende Wahrscheinlichkeit, dass sich im Large Hadron Collider Wurmlöcher bilden – berichtet das Magazin "New Scientist". Und solche Wurmlöcher sind nicht nur irgendwelche weiteren exotischen Phänomene, sie bilden so genannte geschlossen Raumzeit-Kurven – würden also so etwas wie Zeitreisen ermöglichen.

Bitte, wer sagt denn, das Physik immer langweilig sein muss? Das ganze hat nur einen bedauerlichen Haken: Es hat mit Wissenschaft nicht viel zu tun. Margeret Wertheim hat in "Die Hosen des Pythagoras" treffenderweise geschrieben, die Physik wäre so eine Art katholischer Kirche der Naturwissenschaften. Da könnte echt was dran sein. Und am Cern sitzt wahrscheinlich sowas wie der Opus Dei. Wenn die nicht alle permanent irgendwelche seltsamen Pilze zu sich nehmen kann es eigentlich nur sein, dass der ganze mystische Hokuspokus auch nicht mehr ist, als eine Show zur Produktion von Aufmerksamkeit. Müssen sie ja. Wer interessiert sich denn sonst dafür, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält? Haben wir ja gar keine Zeit für. Und eigentlich auch kein Geld…

Nachtrag: Ich hätte es wissen müssen. Einer der ersten Grundsätze, die man jungen Journalisten versucht beizubiegen ist der: Ironie wird nicht verstanden.

Ich habe diesen Grundsatz ignoriert. Und bin natürlich (wie man in den Foren-Beiträgen sehen kann) prompt völlig falsch verstanden worden. Deswegen jetzt noch einmal langsam zum Mitdenken: Ich bin sehr wohl der Auffassung, dass die Frage, wie denn die Realität beschaffen ist, eine interessante ist. Und dass deren Beantwortung einige Mühen wert ist. Ich glaube aber nicht, dass es sinnvoll ist, möglichst abenteuerliche Geschichten in die Welt zu setzen, um den Aufwand für derlei Forschung zu rechtfertigen. Danke für die Aufmerksamkeit. (wst)