Multimedia To Go

Seit Jahren schon sucht die Kaffeekette Starbucks für ihre weltweit 15.000 Filialen nach einer funktionierenden Internet-Strategie. In Zusammenarbeit mit Apple könnte die jetzt gefunden sein.

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Bereits im September wurde bekannt, dass der Computer- und Unterhaltungselektronikkonzern Apple künftig mit dem Kaffeeriesen Starbucks kooperiert. Die so genannte "Musikpartnerschaft" soll es Besitzern der Apfel-Gerätschaften iPhone, iPod touch sowie Rechnern mit iTunes-Software ermöglichen, kostenlos im Angebot von Apples Online-Medienladen zu stöbern und sich gewünschtes Material auch gleich zu kaufen. Zum Einsatz kommt dabei das WLAN-Netz, das Starbucks in den letzten Jahren in nahezu jedem seiner Läden in den wichtigsten Märkten installiert hat. Inzwischen ist die Funktionalität in knapp tausend US-Filialen auch wirklich verfügbar – in New York, Seattle, der Bay Area und in den nächsten Monaten dann in Chicago und Los Angeles.

So interessant die technische Abwicklung im Einzelnen auch ist (Bedienung auf iPhone und iPod mittels Touchscreen, direkter Kauf der aktuell bei Starbucks aus den Lautsprechern tönenden Muzak auf Knopfdruck) – der spannende Teil der Initiative offenbart sich erst jetzt. So fand Blogger und Netzwerk-Experte Glenn Fleishman heraus, dass Apple gerade dabei ist, eine Art Inhaltetankstellen-Netzwerk aufzubauen, inklusive Edge-Servern, die das Beliefern mit den iTunes-Inhalten in einer Starbucks-Filiale stark beschleunigen.

Edge-Server sind Maschinen mit hohem Speichervermögen und schneller lokaler Anbindung, die möglichst nah beim Nutzer stehen – verwendet etwa von US-Medien-Websites, die ihre Internet-Videos in Europa spiegeln lassen. So müssen dann häufig abgerufene Daten nicht mehr über den großen Teich wandern, was die Auslastung deutlich verbessert und mehr Nutzer auf Inhalte zugreifen lässt. Bei Apple und Starbucks, so deutete der Starbucks-Technikchef gegenüber Fleishman an, funktioniere das ähnlich: "Gehen Sie einmal in eine Filiale und kaufen den Song, der gerade läuft. Schauen Sie einmal, wie schnell das geht." Für jemanden, der zuhause nur eine DSL-Leitung mit 1 Megabit besitzt, macht das Herunterladen von Filmen direkt aus einem WLAN-Netz mit bis zu 54 Megabit (802.11g) sicherlich Laune.

Man kann sich nun fragen, wozu Apple diesen Aufwand betreibt, schließlich ließe sich das iTunes–Store-Material auch ganz einfach aus den Weiten des Internets in jede Kaffee-Filiale durchleiten. Doch die Ausbreitung von Starbucks besonders in den städtischen Regionen der USA deutet auf weitergehende Versuche mit neuartigen Drahtlos-Technologien hin, auf eine Hinwendung zum freien WLAN statt abgeschotteter Handy-Nezte. Fleishman glaubt, dass die Kaffeekette zu den wichtigsten Partnern für Apples kommendes UMTS-iPhone werden könnte – sozusagen als "neues Wohnzimmer". Dazu passt, dass Starbucks bei seiner WLAN-Versorgung gerade von T-Mobile zu AT&T übergelaufen ist, Apples amerikanischem iPhone-Provider. (In Deutschland, wo es noch bedeutend weniger Starbucks-Läden gibt, bleibt es beim Partner T-Mobile, doch der vermarktet praktischerweise hierzulande auch das iPhone.)

Interessante Versuche macht Apple mit Starbucks auch in anderen Bereichen. So tauchte Ende Dezember ein Patentantrag auf, der das drahtlose Einkaufen in Fast-Food-Restaurants und Coffeeshops zu beschreiben scheint. Wie das aussehen könnte, zeigte ein cleverer Multimedia-Designer in einem sehenswerten Mockup. Dann würde Starbucks dank Apple nicht nur zur Multimedia-Tankstelle, sondern würde zu einem Ort, an dem schüchterne Geeks für ihren Koffein-Fix nicht einmal mehr reden müssten. (wst)