"Das Thema"

Der Jargon ist so ein bisschen was wie der Dialekt der Fachgebiete.

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"Das Thema Mobilität ist ein Kernthema unserer Gesellschaft" sagt der Redner. "Aber wir haben noch ein anderes Problem, das ist die Endlichkeit der Reserven und wir müssen uns überlegen, wie wir mit dem Thema sinnvoll umgehen. Das zweite Thema sind die Erdölpreise, die uns natürlich massiv beschäftigen - Wir haben das Thema Gesetzgebung...und dann haben wir das Thema Wettbewerb". "Das Thema" habe ich bei dieser Gelegenheit gelernt, scheint eine unter Ingenieuren recht beliebte Sprachfigur zu sein. Eine von diesen kleinen Marotten, die Sätze infizieren, wie Viren – und deren Informationsgehalt genauso schrotten können, wie die DNA von befallenen Zellen.

Ich meine, ich mag das ja eigentlich: Der Jargon ist so ein bisschen was wie der Dialekt der Fachgebiete: Physiker beispielsweise kann man daran erkennen, dass Sie einem erklären, wie eine Messgröße mit einer anderen "skaliert", oder was passiert "wenn wir jetzt noch kleiner werden" – obwohl sie selbst in diesen Diskussionen keinerlei Schrumpfungstendenzen unterliegen. Bei mir stellt sich dabei meist so ein leicht nostalgisches Gefühl ein – wie wenn man nach 20 Jahren mal wieder die Straßen seiner Heimatstadt durchstreift.

Was ich mich bei dieser Gelegenheit allerdings mal wieder gefragt habe, ist wie diese unterschiedlichen Dialekte eigentlich entstehen. Gibt es einen Zusammenhang, zwischen den Denkmustern einer Berufsgruppe und dem Jargon, der in dieser Gruppe gepflegt wird? Und warum haben manche Bilder, Sprachfiguren und begriffliche Marotten sich durchgesetzt, und andere nicht? Hinweise, die zur Ergreifung der Lösung führen, nehme ich gerne per E-Mail entgegen. (wst)