Grünes Fastfood beim Autohändler

Benzin und Diesel werden immer teurer, die Nachfrage nach spritsparenden Fahrzeugen steigt. Doch was tun die meisten Fahrzeughersteller? Sie drehen an ein paar Schräubchen und lackieren Serienfahrzeuge auf "öko" um, statt radikal neu zu denken.

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Eigentlich brauche ich ja gar kein Auto. Wir wohnen in einer Großstadt mit gut ausgebautem (allerdings inzwischen verdammt teurem) öffentlichen Personennahverkehr, und für die paar Trips, bei denen etwas mehr Laderaum benötigt wird, als tragbar in die Bahn passt, kann man ja auch ein Großraumtaxi bestellen. Andererseits steht bei mir regelmäßig weiträumige terminliche Pendelei an, und da wäre es ja einmal schön, sich nicht an Bahnfahrplan oder Fliegertakt orientieren zu müssen, sondern nach Belieben ins in der gut gekühlten Tiefgarage abgestellte Individualfahrzeug springen zu können.

Was ich mit dieser Einleitung sagen will, ist Folgendes: Ich könnte kein freierer Autokäufer sein. Es ist mir eigentlich herzlich wurscht, ob es letztlich ein Kleinwagen, eine Limousine, ein Kombi oder gar ein Crossover-SUV wird, allein der Geschmack von meiner Familie und mir entscheidet. Und natürlich der Geldbeutel plus Umweltaspekte, schließlich versaue ich mit dem Erwerb eines persönlichen Fortbewegungsmittels meine weitgehend blitzsaubere Klimabilanz.

Ursprünglich dachte ich natürlich an den Kauf eines Toyota Prius, schließlich stellt er neben dem Honda Civic Hybrid, der allerdings nur ein "milder" Hybrid ist, die einzige bezahlbare (und bewährte) Benziner-Elektro-Kombination auf dem deutschen Markt dar. Allerdings ist mir das Limousinen-Fahrzeug dann doch etwas zu groß; hinzu kommt, dass das aktuelle Modell so langsam Staub ansetzt und alle Welt auf die hoffentlich irgendwann endlich einmal fertige Plug-in-Variante (mit mehr Batterieleistung und längerem Nur-Elektro-Betrieb) wartet.

Bleiben also noch optimierte Serienfahrzeuge der Kompaktklasse – nicht zu groß, nicht zu klein. Bei VW nennt sich sowas dann BlueMotion, bei Mercedes Blue Efficiency. Auch Ford macht beim Spiel um mehr Effizienz mit, nennt das dann beim Focus "ECOnetic". Da tauscht man dann ursprüngliches Gummi gegen Leichtlaufpneus aus und legt Karosserien tiefer, setzt gar auf spezielles Getriebeöl, das Sprit sparen soll. Doch ist das mehr als ein Werbegag? Bei Ford offensichtlich nicht unbedingt. Wie die Kollegen von Heise Autos herausfanden, liegt der Echtverbrauch mit 6,4 Litern Diesel 2,1 Liter über dem angegebenen Normverbrauch, der schon auf dem Papier nur schlappe 0,2 Liter unter dem Serienmodell angesiedelt ist.

Man kann sich also der Forderung nur anschließend, dass solche "Blue"-Technik schlicht und ergreifend aufpreislos in die Serie gehört, alles andere ist ein Marketingtrick. Was fehlt, ist ein radikales Umdenken, meinetwegen à la Chevy Volt, Tesla oder Project Better Place. Derzeit warte ich auf erste Tests des auf Effizienz getrimmten Volvo C30, aber eigentlich ist das ja auch nur ein hübscherer Focus, wenn auch offenbar mit optimierten Gängen. Oder wie wär's mit einem Doppelkupplungsgetriebe?

Wahrscheinlich ist es am schlausten, wenn ich mit dem Autokauf einmal mehr weiter warte. Wenn Diesel so teuer ist wie Benzin, im Riesenauto-Land USA 30.000 Menschen einen Smart vorbestellen (der blöderweise in der dortigen Version nicht mal sonderlich sparsam zu sein scheint) oder auf den Nahverkehr umsteigen, sollte man sich den Fahrzeugkauf gut überlegen. So lange kann ich mir ja ab und zu einen Mietwagen gönnen. Oder eine Bahncard erster Klasse. (wst)