Abgekocht

Mist, kein flĂĽssiger Stickstoff im Haus! An Tagen wie diesem bedauere ich, dass ich das Experimentalphysik-Labor mit der Redaktion getauscht habe.

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Mist, kein flüssiger Stickstoff im Haus! An Tagen wie diesem bedauere ich, dass ich das Experimentalphysik-Labor mit der Redaktion getauscht habe. Auch wenn es wahrscheinlich Leser gibt, die insbesondere den Kollegen aus der c't recht exotische Testmethoden zutrauen gehört die routinemäßige Kühlung mit Flüssiggas nicht zu den Dingen, die in diesem Haus betrieben werden.

Das ist schade, denn heute erreichen die Büros hier wahrscheinlich wieder Sauna-Qualität – und man könnte aus dem Kaffee wahrscheinlich prima Eis machen (etwa so wie hier.) Normalerweise ist die Produktion von Speiseeis eine etwas aufwendigere Angelegenheit ( wie man dieser hübschen Anleitung für "Einfacheiskrem italienisch“ von der Universität Bayreuth entnehmen kann). Die Quick and Dirty-Version von Eiskreme (besteht aus gefrorenen Früchten, die mit ein wenig Zucker etwa zehn Minuten lang bei Zimmertemperatur angetaut werden, um dann mit dem Pürierstab bearbeitet zu werden. Wenn man die Früchte grob zerkleinert hat, gibt man einige Esslöffel Sahne dazu und rührt weiter) ist zwar auch nicht schlecht, aber längst nicht so cremig. Und sie funktioniert nicht mit Kaffee. Warum ich das alles erzähle? Nicht (oder wahrscheinlich sollte ich besser sagen: nicht nur), weil ich die zulässige Betriebstemperatur überschritten habe, sondern weil das Beispiel Eiskreme einmal mehr illustriert, wie eng verwandt Küche und Labor sind.

Erinnert sich noch jemand an das Essen des 23ten Jahrhunderts, das gelegentlich in den frühen Folgen von Star Trek zu sehen war? Ich fand es ziemlich viel versprechend, dass einige Leute, die sich sowohl mit Chemie und Physik, als auch mit Kochen auskannten, sich Anfang der Neunziger Jahre aufgemacht hatten, gewissermaßen die feine Küche zu hacken, den Quellcode zu analysieren und in einer Art objektorientierter Sprache neu zu schreiben(so dass sich Versatzstuecke von Rezepten frei portieren lassen). Dass die Produkte, die dabei heraus gekommen sind, in erster Linie für schnöselige Bobos taugen, ist ein anderes Problem: Es ist die Idee des respektlosen Umgangs mit Technik (in diesem Fall die Technik des Kochens), die ich schätze.

Nun scheint es, dass der Abstand zwischen Küche und Labor – wie man dieser Meldung entnehmen kann – für einige Spitzenköchen inzwischen offenbar zu klein geworden ist. Der Spanier Santi Santamaría etwa ist der Meinung, dass einige der Substanzen, die in der so genannten "Molekularküche" verwendet werden sogar (wie zum Beispiel die Metilzellulose) gesundheitsschädlich sind. Wir dürfen also gespannt sein, wie die Sache sich weiter entwickelt. Ich schätze mal, dass Stickstoffkanister und Thermostatbäder bald wieder aus den Küchen verschwinden. Aber man kann dann ja immer noch in's Labor gehen, und sich was ausleihen. (wst)