Traut keinem Akademiker!
Vergangene Woche habe ich an dieser Stelle den diabolischen Humor des Innenministers gelobt. Jetzt hat der Mann noch einen draufgesetzt.
Vergangene Woche habe ich an dieser Stelle den diabolischen Humor des Innenministers gelobt. Für die elegante Argumentation, mit der er die Notwendigkeit des Schnüffelstaat zur Eindämmung der Schnüffelwirtschaft erklärt hat.
Jetzt hat er glatt noch einen draufgesetzt: Wie im Newsticker zu lesen war, haben sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seine Kollegin im Justizressort, Brigitte Zypries (SPD) "nach heftigen Bedenken in der SPD gegen die Notwendigkeit eines biometrischen Personalausweises für alle Bürger" darauf geeinigt, dass Fingerabdrücke "nur freiwillig" in das neue Pflichtdokument im Scheckkartenformat aufgenommen werden sollen.
Ich hielt diese Nachricht zunächst für positiv – bis eine mir sehr nahestehende Person mich auf den kleinen Pferdefuß der Geschichte aufmerksam gemacht hat: Mit dem Kompromiss wird die Infrastruktur für den E-Perso erst mal eingerichtet. Die ersten Freiwilligen taugen prima für einen Feldtest unter Praxisbedingungen. Und verpflichtend kann man das Ganze ja immer noch machen (vielleicht nach der nächsten Kofferbombe).
Was mich zu dem anderen Thema bringt, das mich – im wahrsten Sinne des Wortes – diese Woche bewegt hat (von Hannover nach Helsinki und zurück): Der Verleihung des Millennium Technology-Preises. Eine wirklich nette Veranstaltung, die meiner Meinung nach international noch immer zu wenig beachtet wird: Ganz großer Bahnhof bei der Verleihung mit Bühne, Frack, Orchester, Fernsehmoderatorin, Live-Übertragung im TV, netter Dotierung (800.000 Euro) und Preisverleihung durch die finnische Präsidentin. Wofür das Alles? Für "Technologie, die das Leben der Menschen verbessert". Da werden keine weißhaarigen, ehrenwerten Gelehrten abgefeiert, die die Welt im Innersten verstehen wollen, sondern Techniker und Ingenieure. In gewisser Weise altmodische Varianten von Geeks. Hierzulande gelten diese Leute ja als schrecklich dröge und langweilig.
Ich weiß, ich weiß... die bösen 68er sind schuld. Linke und grüne Lehrer und Sozialarbeiter, die den armen Kindern gruselige Geschichten von bösen Technokraten und gefährlichen Computern erzählt haben. Aber das bringt mich auf eine Frage – für die ich wirklich keine Antwort habe – und zurück zu Dr. Wolfgang Schäuble: Kann man Leuten, die den Eindruck machen, Sie seien intelligenter als man selbst, eigentlich wirklich vertrauen? (wst)