Breitband mit Stöckchen
Seit die Mobilfunkunternehmen ihre UMTS-Netze ausgebaut haben, macht das Surfen von unterwegs aus endlich Spaß. Ganz ausgereift sind Technologie wie Geschäftsmodell allerdings noch nicht.
Ich muss zugeben, dass ich das mobile Internet ungefähr ein halbes Jahr nach der breiten Einführung von UMTS in Deutschland aufgegeben hatte: Die Preise waren mir viel zu hoch, die Nutzung zu kompliziert. Da blieb ich lieber mal ein paar Stunden offline, wenn ich im Flieger saß. Die Nutzung von WLAN-Hotspots in Airports, Coffeeshops und Hotels reichte stets aus, um auf dem Laufenden zu bleiben – wenn's zwischendrin dringend war, konnte man mich ja anrufen. Selbst Apples iPhone juckte mich für den Dauerbetrieb zunächst nicht: Zu hanebüchen die deutschen Tarife und Gerätepreise, zu lahm das in der ersten Version einzig verfügbare EDGE-Netz.
Vor Kurzem musste ich dann allerdings tagsüber für insgesamt zehn Stunden (hin und zurück) in einen Zug steigen – und so viel Offline-Zeit an einem Werktag wollte ich mir dann doch nicht zumuten. Also erkundigte ich mich bei einem erfahrenen Kollegen, was es denn inzwischen für Möglichkeiten gibt. Ich hatte kürzlich mit einem halben Ohr gehört, dass die Mobilfunkanbieter endlich so genannte Tagespauschaltarife in ihr Angebot aufgenommen hätten, mit denen man auch ohne Vertrag lossurfen kann. Das stellte sich in der Tat als Wahrheit heraus: Seit einigen Monaten gibt es entsprechende Angebote, etwa von T-Mobile ("Web and Walk") und Vodafone ("Websessions"). Beiden Offerten ist gemein, dass man für 4,95 Euro pro Tag so genannte Dayflats buchen kann. Wirklich flach sind die allerdings nicht: Bei 1 GBybe Datentransfer ist Schluss. Doch das sollte ja eigentlich für Surfen und Mails ausreichen, so lange man sich nicht all zu intensiv bei YouTube umtut.
Um mein Glück perfekt zu machen, benötigte ich nur noch die passende Hardware. Bei T-Mobile verkaufte man mir für 100 Euro einen entsprechenden USB-Stick, bei dem auch noch zehn Euro Guthaben dabeiwaren, macht also zwei Tage Nutzung inklusive. (Was die Mobilfunker wohl mit ihren stets übrigbleibenden Cent-Guthaben machen? Wird sicher alles zinsgünstig angelegt.) Ich hätte ja zu Vodafone gegriffen, das in Sachen UMTS inzwischen T-Mobile als ebenbürtig gilt, doch leider hatte man in keiner der hauptstädtischen Filialen das passende USB-Modem oder die Express-Karte parat (jedenfalls sagte mir das eine freundliche Dame, nachdem sie in ihren Computer geblickt hatte).
Also T-Mobile: Die Nutzung des Web-and-Walk-Sticks war tatsächlich nicht schwer. Man muss nur darauf achten, dass Tagesflats hier wirklich Tagesflats sind: Die 4,95 Euro gelten von 0 Uhr nachts bis 0 Uhr abends, nicht etwa 24 Stunden vom Einwahlzeitpunkt aus. Die auf dem Stick enthaltene Software war auf meinem Mac schnell installiert, alternativ kann man aber auch zu umfassenderen Profi-Alternativen greifen.
Das Surfen funktionierte in der Praxis, sofern man über HSDPA-Empfang verfügte, sehr ordentlich: Der Seitenaufbau ist nicht ganz DSL, aber fast, Mails sind flott abgerufen. Im Zug verwunderte mich, dass die Verbindung eigentlich nie ganz abriss (eine Neueinwahl war so gut wie nie notwendig), auch wenn zwischendurch kaum Daten über die Leitung tröpfelten. (Man sollte sich am besten in jenem ICE-Wagen postieren, in dem die Bahn einen Mobilfunkrepeater eingebaut hat.) Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob Nicht-Early-Adopter wirklich mit dieser schwankenden Verfügbarkeit leben können – mit einem Satz: Sie nervt.
Auch kann man kaum sagen, dass die Geschäftsmodelle der Mobilfunker wirklich ausgereift wären. Zwar klingen 4,95 Euro pro Tag für Gelegenheitsnutzer verhältnismäßig wenig, doch wer so etwas häufiger nutzt, blecht sich grün und blau. Alternativen existieren zwar – so gibt's etwa für 89 Euro nun die iPhone-UMTS-Flatrate, die sich nun endlich auch parallel mit einer zweiten Sim-Karte im Notebook-Stick nutzen lässt. Allerdings sind auch hier nur 5 Gigabyte mit voller Geschwindigkeit enthalten, mit denen insbesondere Profis nur schwerlich leben können. (Andere Flatrate-Modelle existieren, doch wirklich ungebremst sind diese nie.)
Geht man dann ins Ausland, werden die Mondpreise komplett. Mehr als 15 Euro am Tag verlangen Vodafone, T-Mobile und O2, wenn man mit ihren Karten in anderen EU-Ländern online gehen möchte. Darin enthalten sind gerade einmal 50 Megabyte an Datenvolumen. Das reicht vielleicht für ein kurzes YouTube-Video. Kein Wunder, dass die Europäische Kommission den Mobilfunkern auf die Finger haut. (wst)