Formatkrieg, der die Nutzer trifft

Seit Microsoft eine neue Office-Version eingeführt hat, ist der Dokumentenaustausch noch komplexer geworden. Eine persönliche Odyssee ins Reich der Konverter und Formatversteher, an deren Ende doch nur ganz normaler Text steht.

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Neulich schickte mir ein Pressesprecher ein dringend für einen Artikel benötigtes Textdokument in einem merkwürdigen Format, das mein Rechner nicht öffnen wollte. Das sei eine Datei, die mit der neuesten Version von Microsoft Office abgefasst worden sei, erklärte er mir auf Nachfrage mit stolzgeschwellter Brust. Nun muss ich zugeben, dass ich in meinem Alltag seit einigen Jahren stets versuche, neuer Microsoft-Büro-Software aus dem Weg zu gehen.

Wenn ich etwas an jemanden schicken muss, nehme ich am liebsten den kleinsten gemeinsamen Nenner (Rich Text); wenn's denn sein muss, ist natürlich auch PDF okay, das mein freundlicher Mac mit zwei Mausklicks exportiert. Excel- und Word-Dokumente importiere ich hingegen wenn möglich in ein Open Source-Büropaket oder greife zu einer vor vier Jahren aktuellen Version von Office, die zwar keine schönen "Ribbons" besitzt, dafür aber inzwischen (fast) absturzfrei funktioniert.

Ich musste mich also auf die Suche nach einer Software machen, mit der ich ein simples Word-Dokument öffnen konnte, dessen Format offenkundig allein aus Wettbewerbsgründen eingeführt worden war. Das war gar nicht so einfach. Ein leichtgewichtiges Widget, mit dem das ".docx"-Format eigentlich im Handumdrehen umgewandelt werden sollte, funktionierte aufgrund von Internet-Problemen nicht. Also entschloss ich mich, bei Microsoft selbst vorbeizusehen, dort sollte es nach langer Entwicklungszeit endlich einen Konverter geben. Das satte 45 MB schwere Programm war nach ungefähr 20 Minuten und gefühlten zwei Kaffeepausen endlich auf meinem Rechner. Die Installation dauerte nochmals drei Minuten, erforderte aber wenigstens keinen Neustart.

Eine Stunde, nachdem ich die neumodische Word-Datei empfangen hatte, konnte ich mich also endlich ans Auspacken machen. Und siehe da, das ausgegebene Format war, na?, Rich Text! Der Pressesprecher hatte keine hübschen Tabellen oder sexy Bildlayouts in das Dokument gepackt, es handelte sich um einfachen Fließtext! Etwas später fiel mit dann auf, dass auch Apples hausgemachte Bürolösung iWork die neumodischen Word-Dokumente lesen und zu Rich Text-Texten verwursten kann.

Bei der ganzen Odyssee, die sicher nicht nur ich in Konfrontation mit umgemodelten Formaten erleben darf, stellt sich mir persönlich die Frage, wie es eine Branche schaffen kann, im Jahr 2008 noch kein einheitliches Text- und Layout-Format zustande zu bringen. Natürlich gibt es PDF, doch das mag man bei Microsoft nicht, schließlich gehört es Adobe und ist auch nicht direkt in Word editierbar. Natürlich gibt es offene Textstandards wie OpenDocument, aber die will Microsoft ja nicht haben, stattdessen seine eigenen Formate durchboxen.

Im Videobereich wird es zum Teil noch schlimmer: Zig unterschiedliche MPEG-Formate, AVI-Container und Tonspeichertechnologien konkurrieren miteinander, zum Glück hat die Welt inzwischen Software hervorgebracht, die das alles abspielen kann. Nicht, dass die Open-Source-Szene weniger orthodox als Microsoft wäre: Hier ist man strikt gegen patentrechtlich geschützte Formate und zwingt seinen Nutzern dann merkwürdige Technologien wie Ogg Vorbis auf, um Ärger mit den Besitzern des MP3-Formates zu verhindern. Es könnte ja alles so einfach sein, wenn man nur ein bisschen mehr miteinander reden würde. So lange wird der Formatkrieg auf dem Rücken der Nutzer ausgetragen. (wst)