Lautlos im Weltall
Ein riesiges, reflektierendes Segel könnte den Strahlungsdruck der Sonne für interplanetare Reisen ausnutzen. Ob das wirklich klappt, wollte die NASA eigentlich zum 50ten Geburtstag testen.
Manche Geschichten sterben leise. Während die Welt sich zur Zeit anscheinend mit nichts anderem als der Menschenrechtslage, der Luftqualität oder der architektonischen Erneuerung von China beziehungsweise dessen Hauptstadt beschäftigen will, gehen am Rande der Aufmerksamkeitsökonomie gleich reihenweise kleine Themen vor die Hunde. Gute Chancen auf einen solchen Hungertod haben ja besonders Geschichten mit einer Negativ-Schlagzeile – wer will schon wirklich wissen, warum etwas explizit nicht geklappt hat. Obwohl die Beschäftigung mit Fehlern manchmal sehr instruktiv sein kann. Darum an dieser Stelle meine gute Tat des Tages. Ich will eine dieser Nachrichten dem medialen Dunkel entreißen: Anders als geplant, wird die NASA zu ihrem 50jährigen Jubiläum keinen Test mit einem Solarsegel-Antrieb durchführen.
Ich muss zugeben, ich hätte es fast auch nicht bemerkt. Erst als ich für das September-Heft eine Meldung dazu schreiben wollte, ist mir aufgefallen, dass mit dem Fehlstart der Rakete des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX leider auch das Projekt Nanosail-D den Bach runter gegangen ist. Ob und wann es Geld für den nächsten Schuss gibt, steht (auch wenn das an dieser Stelle ein ziemlich platter Gag ist) in den Sternen. Die NASA hatte sich offenbar entschlossen, das Ganze auf ziemlich kleiner Flamme zu kochen, den Satelliten möglichst schnell und billig zu entwickeln und die Kiste dann mit der privaten Billig-Konkurrenz in's All zu befördern. Wenn geklappt hätte, hätte man natürlich trotzdem ordentlich Wind machen können um die Sache – Öffentlichkeitsarbeit ist ja bei weitem nicht so teuer, wie Raketen-Abschüsse.
Bedauerlich, denn die dahinter liegende Idee mit dem Sonnensegel ist eigentlich ziemlich cool: Ein riesiges, reflektierendes Segel könnte den Strahlungsdruck der Sonne für interplanetare oder gar interstellare Reisen ausnutzen. Ganz ohne Treibstoff und donnernde Raketen (ich weiß, ich weiß: im luftleeren Raum würde man den Lärm der Triebwerke ja nicht wirklich hören, aber auch ich bin nun mal von Star Wars geprägt) zieht ein Weltraum-Windjammer seine Bahnen bis in die Unendlichkeit, denn wenn es einmal vom Sonnenwind beschleunigt wurde, wird es höchstens noch von ein bisschen Wasserstoff gebremst, der im kalten Raum zwischen den Sternen wabert.
Auch jenseits solcher eher phantastischen Anwendungen sind greifbare Konzepte durchgerechnet worden: Ein 67 mal 67 Meter großes Solarsegel würde ausreichen, einen Sonnensatelliten quasi am inneren Lagrangepunkt festzunageln – und so die Vorwarnzeit für schwere Sonnenstürme verdoppeln. Getestet worden ist das Konzept bislang allerdings noch nicht, denn das erste Raumfahrzeug dieser Art, die Cosmos 1 musste wegen eines Raketenschadens auf der Erde bleiben.
Auf die Gefahr hin, hoffnungslos romantisch zu klingen, gestehe ich: Auf einem interstellaren Windjammer würde ich sofort anheuern. Auch wenn die Reise ziemlich lange dauern kann. Kolumbus und seine Leute haben ja auch nicht gewusst, wann sie auf der anderen Seite ankommen. Aber vorerst wird ja nun nichts daraus. Als Trost bleibt einstweilen Sternschnuppen gucken in der Nacht von Montag auf Dienstag (In diesem Jahr passieren wir das Maximum der Perseiden am 12. August) – falls das Wetter mitspielt. (wst)