Hoffentlich kein Leben auf dem Mars
Warum die Entdeckung von Leben im All eine schlechte Nachricht für die Zukunft der Menschheit wäre.
Fürchten Sie sich vor der Entdeckung außerirdischen Lebens? Nick Bostrom, Direktor des Future of Humanity Institute an der Uni Oxford, schon. Rudimentäres Leben etwa auf dem Mars wäre eine schlechte Nachricht für ihn, und höher entwickeltes Leben eine sehr schlechte – denn dies wären Hinweise darauf, dass die Menschheit im kosmischen Maßstab nicht mehr besonders alt werden würde.
Das Ende der Menschheit? Wegen etwaiger Mars-Mikroben? Hat es Bostrom nicht eine Nummer kleiner?
Um seine Argumente wiederzugeben, muss man etwas ausholen. Zunächst einmal stellt Bostrom fest, dass sich bei uns bis heute keine Außerirdischen haben blicken lassen. Was hat sie daran gehindert? Zeit und Versuche hätten sie reichlich gehabt, argumentiert Bostrom – das All ist schließlich deutlich älter als die Erde und beherbergt unzählige Planeten, die Leben beherbergen könnten. Wenn es einen einigermaßen gradlinigen Weg von der Ursuppe über Einzeller und intelligente Lebensformen bis zu Technologie zur Besiedlung des Alls gäbe, müsste es –– trotz aller evolutionärer Sackgassen und Rückschläge – längst vor Aliens wimmeln. Das tut es aber offenkundig nicht. Irgendein „Großer Filter“ muss diese Entwicklung also ausbremsen.
Doch wo ist dieser Filter? Bei der Entstehung des Lebens, der Mehrzeller, der Intelligenz, oder bei der Entwicklung raumreisetauglicher Technologie? Liegt er mithin hinter uns oder steht er uns noch bevor? Hier kommt wieder der Mars ins Spiel: Wenn man schon auf zwei der drei von uns näher untersuchten Himmelskörpern Leben fände, könnte man getrost unterstellen, dass Leben im All omnipräsent ist. Die Schwelle zum Leben fällt mithin als Kandidat für den Großen Filter aus – er muss also später kommen. Möglicherweise so spät, dass er uns noch bevorsteht. Das würde dann zweierlei bedeuten: Entweder, irgendein Sachverhalt verhindert es grundsätzlich, dass Zivilisationen das All kolonialisieren – oder diese Zivilisationen werden nicht alt genug, um soweit zu kommen, weil sie sich vorher durch Kriege oder Ressourcenverschwendung selbst umgebracht haben, schreibt Bostrom in seinem Essay für die aktuelle Ausgabe 09/08 der Technology Review, die ab Donnerstag am Kiosk zu haben ist (und natürlich auch hier portokostenfrei bestellt werden kann, aber das wissen Sie ja sicher schon).
Die Suche nach Leben im All solle man deshalb keineswegs aufgeben, meint Bostrom – auch wenn er inständig hofft, dass sie ergebnislos bleibt. Was meinen Sie? (wst)