Alles wird gut

Warum der Cyberkrieg auch in Zukunft eine Fiktion bleiben wird.

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Trendforscher arbeiten gerne mit dem, was sie "Datenpunkte" nennen: Nachrichtenschnipsel, Filme. Bücher – oder auch ganz alltägliche Beobachtungen auf der Straße, in denen sich ein manifestiert, was gesellschaftlich oder technologisch gerade passiert. Im günstigsten Fall verhält es sich mit solch einem Punkt wie mit dem nervösen Zucken im Schwanz einer ansonsten völlig reglosen Katze: Er macht eine untergründig vorhandene Tendenz sichtbar, die in nächster Zukunft zu einer drastischen Veränderung führen wird. Ich habe kürzlich auch einen gefunden: Die NZZ hat am 8. September gemeldet, dass das neue "Sackmesser" der Schweizer Armee von Victorinox hergestellt wird.

Doch doch, kein Scherz. Die Geschichte hat einen seriösen Hintergrund: Die beabsichtigte Beschaffung eines neuen Soldatenmessers hatte im Frühling 2007 in der Schweiz zu heftigen öffentlichen Debatten geführt: Es wurde befürchtet. dass im Fall einer internationalen Ausschreibung kein Schweizer Hersteller mehr für die Lieferung des Armeemessers berücksichtigt werden könnte. Trotz dieser Kritik hielt die Schweizer Regierung an der internationalen Ausschreibung fest: Armasuisse, das Beschaffungs-, Technologie- und Immobilienzentrum des Departments für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VSB), hatte die Evaluierung des neuen Messers dann im Februar 2008 gestartet. Insgesamt wurden sieben internationale Anbieter eingeladen.

Aber die Geschichte hat ein Schweizer Happy End: Das neue Armeemesser wird nicht von irgendwelchen dubiosen Chinesen zusammengeschraubt. Und das Das neue Messer selbst? Wie sieht das aus? Es verfügt über sechs Klingen: Neu sind lediglich ein Kreuzkopfschraubenzieher und eine Holzsäge. Und ein Loch in der großen Klinge – das ermöglicht den Armeeangehörigen, das Messer auch mit einer Hand zu öffnen.

Was kann man aus diesem Datenpunkt ablesen? Wenn es um die wirklich existentiellen Dinge geht, kann die einheimische Wertarbeit auch dem Preisdruck der internationalen Konkurrenz standhalten. Und der viel diskutierte Cyberkrieg bleibt auch in Zukunft eine Fiktion. Denn selbst die Armee eines Staates, auf dessen Grund und Boden geheimste Bankdaten aus aller Welt konzentriert sind, rechnet für den Fall eines Krieges nicht damit, dass ihre Soldaten Schnickschnack wie USB-Sticks, Kabelzangen oder LED-Taschenlampen am Taschenmesser braucht. Sehen Sie, so funktioniert Trendforschung: Mann muss das Muster nur richtig interpretieren können. (wst)