FĂĽr immer verloren?
Die Datenmengen, die in durchschnittlichen Haushalten vorgehalten werden, steigen in den letzten Jahren rasant: Gigabytes, manchmal sogar Terabytes an Filmen, Musik und Fotos sammelt jeder von uns inzwischen an. Fragt sich nur, wie haltbar das alles ist.
Neulich stolperte ich in einem Blog über eine leidlich beängstigende Statistik: Betreibt man acht Festplatten nach dem aktuellen SATA-Standard mit einer Größe von jeweils einem Terabyte in einem für die Datensicherheit doch angeblich so sicheren RAID (bei dem die Informationen zum Schutz vor Ausfällen mehrfach gespeichert sind), liegt die Chance, dass sich ein einmal über die Wupper gegangenes Laufwerk wieder herstellen lässt, bei nur noch 44 Prozent. Der Grund dafür ist einfach erklärt: RAIDs funktionieren nur dann richtig, wenn sich alle anderen noch funktionsfähigen Laufwerke fehlerfrei und vollständig auslesen lassen - und die Chance, dass das auch der Fall ist, fällt mit der Größe der Platte. Die so genannte Bit Error Rate, die Zahl der Lesefehler, nimmt zu.
Man mag das für Panikmache halten - der Mensch, der obiges Beispiel aufführte, ist zudem bei einer Firma beschäftigt, die eine RAID-Alternative vertreibt - und wohl nur die wenigsten normalen Menschen betreiben derart große Datensammlungen. Dennoch ist jenes "Was wäre wenn"-Szenario in immer mehr Haushalten akut, weil die meisten von uns inzwischen riesige Sammlungen mit Musik, Videos und Fotos auf ihren Platten beherbergen und, dank Online-Läden wie iTunes, teils große Summen in derlei Digitalien investiert haben. Es geht aber noch viel einfacher. Neulich griff ich eine DVD aus meiner erklecklichen Sammlung, die ich seit ungefähr fünf Jahren nicht mehr angefasst hatte. Von außen sah sie noch ganz okay aus - sichtbare Kratzer stellte ich nicht fest. Trotzdem wollte mein Laufwerk sie einfach nicht auslesen, offensichtlich schlug der darauf enthaltene, frühe Kopierschutz mächtig zu.
Resultat: Ich habe also vor fünf Jahren brav Geld an Hollywood abgeführt, nur damit ich den damals erworbenen Film nun nochmals kaufen kann, weil mir danach gelüstet. Ich will nicht wissen, wie teuer es wäre, wenn z.B. eine größere Sammlung an Streifen aus einem Web-Videoladen verloren ginge, weil die arme Seele Nutzer eben nicht regelmäßig Backups schiebt.
NatĂĽrlich gibt es automatische Systeme, so liefert Apple bei Mac OS X mit "Time Machine" eine Software mit, die das Betriebssystem und seine Daten automatisch klonen kann. So genannte Speicheroboter wie der Drobo von Data Robotics erledigen RAID-Technologie inzwischen leidlich mĂĽhelos, so dass man nicht so viel nachdenken muss, um einigermaĂźen sicher zu sein. Dass dennoch jederzeit eine Platte ĂĽber den Jordan gehen kann, bleibt aber ein immer noch bestehendes Risiko. Sind es zwei, kommt es auch bei Drobo und Co. zur Katastrophe.
Langjährige Computerfreunde werden mich nun daran erinnern, dass es ja inzwischen ordentliche Online-Backup-Lösungen gibt, wo man dann seine Daten in ein hübsches Rechenzentrum mit Klimatechnik und viel Redundanz schicken kann. Das Problem: Erstens sind auch diese vor Ausfällen nicht gefeit. Zweitens sind die Upload-Raten bei normalen Internet-Anschlüssen so mies, dass man seine Gigabytes eben nicht mal eben in ein paar Stunden in die "Cloud" schicken kann, das dauert dann eventuell Tage.
Nein, was hilft, ist nur beten und der Versuch, möglichst oft das ein oder andere händische Backup über mehrere Platten zu verteilen. Und vielleicht sollte man auch damit beginnen, sich von der Datenhortung zu verabschieden. Muss man wirklich alle James Bond-Filme seit dem allerersten im Archiv haben? Muss es wirklich eine Kollektion aller bisheriger Simpsons-Episoden sein? Die wachsenden Datensammlungen bedingen nämlich auch etwas ganz anderes: Man kommt schlicht nicht mehr dazu, sich mit ihnen zu beschäftigen, Musik zu hören, Fotos anzusehen oder Filme zu gucken. Wenn dann der ein oder andere Streifen fehlt oder etwas ruckelt, weil die Festplatte was nicht mehr lesen kann, ist das vielleicht auch nicht mehr so schlimm. (wst)