Fünf Jahre vor und zurück
Wie wird die Welt in fünf Jahren aussehen? Welche Technologien werden verschwunden, welche neu aufgekommen sein? Werden sich die Debatten immer noch um die selben Themen drehen wie heute?
Knifflige Frage. Dabei sind fünf Jahre kein so arg langer Zeitraum – zumindest im Rückblick. 2003 starb das Klon-Schaf Dolly, wurde die Concorde eingemottet und die schwedische Außenministerin Anna Lindh ermordet. Michael Schumacher wurde Formel-1-Weltmeister, Bayern München Deutscher Fußball-Meister, und Lance Armstrong gewann die Tour de France. Alles noch gut im Gedächtnis.
Aber wissen Sie noch, was Sie sich damals von den nächsten fünf Jahren erhofft oder befürchtet haben? Ich jedenfalls nicht mehr so genau. Um so interessanter ist es, in den alten Heften der Technology Review zu blättern, die im September 2003 erstmals in der deutschen Ausgabe erschien.
Für einen schweren Nostalgie-Schub reichen fünf Jahre natürlich nicht. Aber einiges hat sich doch geändert. Kollege Niels Boeing schrieb zwar kürzlich, dass sich in diesem Jahrzehnt im Vergleich zu den Achtzigern und Neunzigern wenig Spannendes getan hätte. Ganz so pessimistisch sehe ich das aber nicht.
Da ist zum Beispiel das Hybrid- beziehungsweise Elektroauto. Klar: der Lohner-Porsche fuhr bereits 1900 elektrisch, General Motors brachte 1996 den Elektro-Wagen EV-1 auf den Markt (nur um ihn dann wieder abzuschaffen), und die ersten Hybrid-Autos von Toyota und Audi sind auch schon mehr als zehn Jahre alt. Aber erst in den letzten fünf Jahren wurde der Verbrennungsmotor so ernsthaft wie nie zuvor in der Automobilgeschichte in Frage gestellt. Das hätte ich so vor fünf Jahren nicht vorherzusagen gewagt. Sie? Ein anderes Beispiel: Der Klimawandel. Die Fakten sind nicht neu. Schon 1990 hat der Weltklimarat IPCC seinen ersten Bericht abgegeben. Doch ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Gefahr durch Treibhausgase heute eine so dominierende Rolle in der öffentlichen Debatte spielen würden.
Wenn Sie noch weitere Beispiele interessieren, wie die Zukunft vor fünf Jahren aussah: Im aktuellen Jubiläumsheft 10/2008, das ab Donnerstag am Kiosk liegt, gibt es eine DVD mit sämtlichen Ausgaben der Technology Review von 2003 bis 2007; 209 Artikel sind zudem vertont worden und liegen als MP3-Dateien mit insgesamt 69 Stunden Spielzeit vor. Dazu gibt es noch mehr als 200 Rezepte zum molekularen Kochen sowie eine kleine Software-Sammlung zur Organisation und Archivierung persönlicher Daten. (Zur portofreien Heftbestellung geht es hier.) Mit dem Heftarchiv auf DVD können Sie feststellen, wie oft wir bisher mit unseren Vorhersagen richtig lagen – und wie oft falsch. Ich denke, ersteres überwiegt, aber letzteres ist natürlich viel unterhaltsamer.
Zurück zur Zukunft: Damit wir auch in fünf Jahren noch auf richtige oder falsche Prognosen zurückschauen können, hier meine Vorhersagen für 2013:
1. Jeder größere Autohersteller hat mindestens ein rein elektrisches Modell im Programm.
2. In jeder deutschen Großstadt gibt es einen Copy-Shop mit einem 3D-Drucker.
3. Die Pläne für ein Atommüll-Endlager sind nicht konkreter als heute.
4. E-Book-Reader für Bücher und Zeitungen werden so gebräuchlich sein wie heute MP3-Player.
5. In den Wirtschaftsnachrichten wird über den Kurs von CO2-Zertifikaten mit derselben Regelmäßigkeit berichtet wie über Ölpreis, Dax und Dow.
Was meinen Sie? (wst)