Tempolimit auf der Datenautobahn

In den USA hat der große Provider Comcast damit begonnen, ein Download-Limit einzuführen. Was für normale Nutzer großzügig klingt, wirkt bei neuen Highspeed-Anschlüssen geradezu absurd.

vorlesen Druckansicht 6 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

250 Gigabyte im Monat – das klingt eigentlich nicht wirklich schlecht. Mit diesem Datenbudget könnte man sich beispielsweise etwas mehr als 50 einseitige DVDs herunterladen oder sehr, sehr lange "World of Warcraft" in höchster Auflösung spielen. Kein Wunder also, dass das kürzlich vom amerikanischen Groß-Provider Comcast eingeführte Herunterlade-Limit bei den wenigsten Nutzern bislang für echtes Wehklagen sorgte – nur extreme Downloader kommen an diese Grenze heran. "Weniger als ein Prozent der Kunden" seien dies, heißt es von dem in diversen US-Regionen marktbeherrschenden Anbieter.

Die Stimmung bei den Kunden dürfte sich allerdings demnächst wandeln. Der Kabel-Internet-Anbieter hat in einigen Städten nämlich nun einen neuen High-Speed-Dienst gestartet, der der Nutzerschaft für 140 Dollar im Monat bis zu 50 Megabit pro Sekunde verspricht – deutlich mehr als die aktuell durchschnittlichen 6 bis 8 Megabit die standardmäßig durch seine Netze rauschen. In der Werbung heißt es dazu, mit dem neuen "Extreme"-Dienst könne man sich einen kompletten HD-Film mit 6 Gigabyte in einer knappen Viertelstunde herunterladen und einen Streifen in Standardauflösung in fünf Minuten. TV-Shows sollen sogar in "wenigen Sekunden" auf dem Rechner landen. Das Problem dabei: Das Download-Limit hat Comcast schlauerweise nicht entfernt. Grob gerechnet bedeutet dies, dass der teure Anschluss damit bei voller Last in ungefähr 11 Stunden ausgereizt wäre.

Nun ist nicht zu erwarten, dass viele Kunden dies auch tun werden. Der Fall zeigt aber, wie absurd die Ressourcenplanung bei den Internet-Anbietern funktioniert. Statt ihre Netze auszubauen und Knotenpunkte zu verbessern, um auf den Ansturm von Morgen vorbereitet zu sein, setzen sich auf der Welt mehr und mehr die Limitierung von Anschlüssen und so genannte Pseudo-Flatrates durch. In Deutschland ist das zwar derzeit noch scheinbar kein großes Thema (außer beim mobilen Internet, wo es schon immer so war), dürfte aber nicht mehr lange auf sich warten lassen. Der Wettbewerb ist hart, die Kostenspirale dreht sich.

Dabei würde eine weitläufige Einführung von Download-Limits dazu führen, dass innovative Dienste weniger Chancen haben. Nahezu alles, was mit Multimedia, interaktiver Kommunikation oder Unterhaltung zu tun hat, ist im Netz mit erhöhtem Bandbreitenbedarf verbunden. Werden Pauschaltarife zum Internet-Zugang reihenweise limitiert, schlägt sich das auch auf die aktuellen Geschäftsmodelle zahlreicher unabhängiger Anbieter durch.

Man stelle sich vor, die Nutzer würden beispielsweise weniger bei Apples Online-Medienladen iTunes einkaufen, weil sie fürchten, die nächste TV-Show oder das nächste Album bringt sie über ihre Download-Grenze. Es geht einfach eine gewisse Lockerheit im Umgang mit dem Internet verloren, wenn der Nutzer das Gefühl hat, er wird "pro Einheit" zur Kasse gebeten. Das erinnert dann ein wenig an die Internet-Nutzung vor nicht ganz 15 Jahren, als man pro Minute abgerechnet wurde.

Es ist klar, dass das Providergeschäft längst keine Goldgrube mehr ist. Doch eine verlässliche Einnahmequelle bleibt es noch immer. Die Frage ist nun, in was die Anbieter investieren wollen - Limits oder Ausbau? Nur letzterer garantiert, dass das Internet der Innovationsmotor von heute bleibt. Notfalls muss eben der Staat für diese so wichtige Infrastruktur ein wenig in die Tasche greifen. Er sorgt ja auch für den Bau öffentlicher Straßen. (wst)