Palin und die Fruchtfliegen
Dass die konservative US-Vizepräsidentschaftskandidatin etwas merkwürdige Vorstellungen hat, war bereits bekannt. Doch es kommt noch schlimmer: Ignoranz mischt sich bei ihr mit Wissenschaftsfeindlichkeit.
Vergangenen Freitag gab Sarah Palin ihre erste echte politische Rede. Dabei hatte sich die konservative Gouverneurin von Alaska ein Thema ausgesucht, dass ihr selbst aufgrund persönlicher Umstände (ihr jüngster Sohn leidet unter dem Down-Syndrom) sehr nahe liegt – die Förderung von Menschen mit Behinderung und ein entsprechendes US-Gesetz. Was dabei herauskam, lässt sich in diesem unfasslichen Video anschauen. Palin sagte während ihrer Rede unter anderem folgendes:
"Where does a lot of that earmark money end up anyway? (...) You've heard about some of these pet projects they really don't make a whole lot of sense and sometimes these dollars go to projects that have little or nothing to do with the public good. Things like fruit fly research in Paris, France, I kid you not."
Die Gouverneurin hatte zuvor argumentiert, es gebe derzeit nicht genügend Geld für das Gesetzeswerk Individuals with Disabilities Education Act, dabei könne man doch viele der so genannten "Earmarks" abbauen, mit denen "fette Politiker" ihre Lieblingsprojekte finanzierten. Dass die internationale Forschung an Frucht- oder auch Taufliegen (Drosophila melanogaster) zu den Grundlagentechnologien moderner Wissenschaft gehört (ironischerweise kürzlich auch wieder im Bereich der Autismus-Forschung, die Palin vorantreiben will), hatte der Vizepräsidentschaftskandidatin ihr Team vorab offenbar nicht mitgeteilt.
Das ist nur eines von mehreren Beispielen, in denen das Team Palin-McCain mit regelrechter Wissenschaftsfeindlichkeit glänzte: Bei der zweiten Präsidentschaftsdebatte zwischen McCain und Obama nannte McCain die Finanzierung eines Projektors für ein Planetarium in Chicago, das Obama unterstützt hatte, die Bezahlung eines "Overheadprojektors mit Millionen". Und auch in Sachen Klimaschutzpolitik lässt sich Schlimmes erahnen. McCain ist vom Kurs erneuerbarer Energien inzwischen zu einem "Drill Baby Drill" umgeschwenkt und Palin glaubt noch immer nicht daran, dass der Mensch für die Erderwärmung verantwortlich sei, dabei hat sie mit ihren Auswirkungen in Alaska besonders stark zu kämpfen.
Fazit: Sollten McCain und Palin wirklich gewinnen, dürfte sich die Politisierung der US-Wissenschaft fortsetzen, die in den letzten acht Jahren der Bush-Regierung so stark präsent war. Es könnte sogar noch schlimmer werden. (wst)