Ein schwacher Trost

Am Beispiel Auto kann man immer wieder deutlich sehen: Intelligente technische Lösungen sind eine Sache – die ganz andere Frage ist, was sich auf dem Markt durchsetzt.

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Gerade habe ich unser neues Sonderheft durchgeblättert. Ich habe es nach dem Lesen mit gemischten Gefühlen zur Seite gelegt. Nicht, weil ich die Artikel nicht spannend oder informativ fände – ganz im Gegenteil. Sondern weil mir solche Lektüre immer wieder deutlich vor Augen führt, dass intelligente technische Lösungen die eine Sache sind – die andere Frage ist, was sich auf dem Markt durchsetzt.

Soll heißen: Ist schon eine dolle Sache, diese mögliche Zukunft des Autos. Leichtbau, bionische Konstruktionen, neue Materialien, Antriebssysteme, die ohne Lärm und giftige Abgase richtig Zug auf die Straße bringen: Alles vom Feinsten. Das liest sich extrem spannend. Von den weitergehenden Visionen mit wirklich intelligenten Lösungen der Verkehrsproblematik – ich will den Individiualverkehr mit Privatfahrzeugen hier mal absichtlich rauslassen – gar nicht zu reden: Stapelbare Smartcars, die miteinander vernetzt ihre Routen optimieren: Das wäre doch mal was.

ABER: Die Chancen für solch einen technischen Entwicklungspfad stehen – schon wieder – schlecht. Das ökologische Fenster schließt sich schon wieder: Öl wird täglich billiger und – mal unter uns – das mit dem Klimawandel ist ne schlimme Sache, aber das Ende des Jahrhunderts ist doch noch noch ziemlich weit weg. Die Auto-Industrie wird diesem Trend zwar mit der ihr innewohnenden Trägheit wie üblich verspätet folgen, dafür aber umso lieber.

Und von der ganzen lustigen Elektronik, die das Fahren sicherer und effizienter machen sollen, wollen wir jetzt auch nicht reden: Der Trendforscher hat das Technologie genannt, die eine "Verhausschweinung des Menschen" bewirkt. Wer will denn sowas? Eher wickelt sich der gemeine Deutsche Autofahrer um den nächsten Brückenpfeiler, als sich von so einer besserwisserischen elektronischen Gouvernante reinreden zu lassen.

Und so wage ich mal zu behaupten: Auch in 20 Jahren wird der überwiegende Teil des Privatverkehrs hier mit Autos abgewickelt. Mit allen bekannten Folgen, und ohne Rücksicht auf Verluste – dafür aber mit Verbrennungskraftmotoren, die so richtig schön losröhren, wenn man aus Gaspedal drückt. Der Rest wird ein Nieschenprodukt bleiben. Dass die Ingenieure und Entwickler auch intelligente Autos bauen könnten, wenn sie wollten, ist ein schwacher Trost. (wst)