Der Crash (I)

Manche Leute bauen dauernd Autounfälle, andere setzen bei jedem Gang unter die Dusche die darunterliegende Wohnung unter Wasser. Meine jüngste Spezialität ist die Vernichtung tragbarer Rechner.

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Eigentlich gehöre ich nicht so recht zur Gattung der Tollpatsche – höchstens wenn ich im Stress bin oder bei Übermüdung ich zu dem ein oder anderen Desaster neige. Letzteres hatte in jüngster Zeit gleich zwei Mal mit Laptops zu tun, die ich mir jeweils mit voller Wucht und im laufenden Betrieb auf den Boden beförderte. Irgendwie gelingt es mir dabei stets, dass das Gerät nicht auf einen verhältnismäßig weichen Teppich, sondern auf Fließen knallt: Einmal in der Küche und zuletzt im Treppenhaus meiner Verwandtschaft, das ich zum ersten Mal besuchte und deshalb im Dunkeln stolperte.

Im Grunde war an allem ein bekannter deutscher Mobilfunknetzbetreiber schuld: Dessen Netz hatte im Untergeschoss eben jener Verwandtschaft derart wenig Empfang, dass ich mich entschloss, mich im Dunkeln nach oben aufzumachen, wo das Kabelmodem stehen sollte. Nach einer halben Treppe rutsche ich aus, und mein hübsches weißes Maschinchen der Firma mit dem Apfellogo segelte unelegant rund anderthalb Meter durch den Raum, um krachend aufzuschlagen. Resultat: Bildschirm defekt, doch als ich schließlich oben ankam, schien die Festplatte noch zu funktionieren. Ich dachte mir: Mann, da hast Du ja vielleicht Glück gehabt, schließlich verbaut Apple diesen wunderbaren "Sudden Motion Sensor", der die Plattenköpfe vor dem Aufprall zur Vermeidung eines Headcrashs parkt.

Leider hatte ich damit Unrecht. Nach einem weiteren Tag, an dem ich mich mit einem Uralt-PC abquälen musste, um doch noch irgendwie arbeiten zu können, besorgte ich mir einen neuen Laptop (der alte hätte sowieso ausgetauscht werden sollen) und verfrachtete die arg gequälte Platte in ein externes Gehäuse. Nach schweren Sekunden dann die Gewissheit: Bewegungssensor hin oder her, das Ding lässt sich nicht mehr mounten. Ich sah bereits die letzten 30 Tage Arbeit verschwinden, inklusive der demnächst anstehenden Buchhaltung, eingekaufter Musik und vielem mehr. Im Gegensatz zu meiner sonst üblichen Vorgehensweise, vor dem Verlassen des Hauses zu einer längeren Reise noch ein letztes Backup zu ziehen, hatte ich das diesmal nämlich schlauerweise versäumt, die letzte Sicherung war mindestens einen Monat her.

Die nächsten Stunden und Tage verbrachte ich also damit, bereits erledigte Arbeit nachzuholen, mein Backup auf einen einigermaßen aktuellen Stand zu bringen und über die Ungerechtigkeit der Welt zu philosophieren. Kurz bevor ich zwei Tage später dabei war, sämtliche Kunden um die Rücksendung von Rechnungen zu bitten, damit ich wenigstens irgendwie meine Buchhaltung rekonstruieren konnte, startete ich einen allerletzten Versuch der Datenrettung. Mein Hoffnungsschimmer war, dass die Platte sich zumindest in einem Festplattendienstprogramm noch mit Namen meldete. Und siehe da: Die Hardcore-Disk-Save-Lösung schaffte es tatsächlich, nach gut zwei Stunden Teile der Platte wiederherzustellen und sie in ein Image zu packen. Tatsächlich ging erstaunlich wenig wirklich verloren.

Nachdem ich dem Herrgott ausreichend gedankt hatte, machte ich mich daran, meine IT-Notfall-Strategie zu überdenken. Die Möglichkeiten sind bekanntlich groß: Online-Sicherung, RAID-Plattenbatterie, Backup-Automatisierung und vieles mehr. Wie ich seit Kurzem dafür sorge, dass ich auch meine Laptops ohne Datenverlust zerstören kann, lesen Sie im zweiten Teil dieses Blog-Beitrages über Grenzerfahrungen am Rechner. (wst)