Der Crash (II)
Manche Leute bauen dauernd Autounfälle, andere setzen bei jedem Gang unter die Dusche die darunter liegende Wohnung unter Wasser. Meine jüngste Spezialität ist die Vernichtung tragbarer Rechner. Zeit für eine bessere Backup-Strategie.
Im ersten Teil dieser Blog-Erzählung ging es darum, wie ich mir kürzlich meinen jüngsten Laptop zerstört habe. Wie die Festplatte dann auf wundersame Weise doch noch gerettet wurde und wie in mir die Überzeugung reifte, dass ich eine ganz neue Backup-Strategie brauche. Wie die aussehen könnte, folgt nun hier:
Bislang kann man bei mir eigentlich nicht wirklich von einer Backup-Strategie sprechen: Ich ziehe gelegentlich vollständige Systemklone, das war's. Dieses Prinzip muss besser werden. Empfehlenswert ist es, jeweils regelmäßig neue Versionen zu produzieren, so dass man zum Beispiel ein Backup des Systems von gestern, von vor einer Woche, von vor einem Monat und vor einem halben Jahr im Haus hat. Das kostet allerdings einiges an Disziplin, wenn man den Vorgang nicht automatisiert (siehe unten) und auch Zeit, weil es eben dauert, ganze System zu klonen. Doch nur so ist man auch im schlimmsten Fall abgesichert und kann gleich nahezu dort weitermachen, wo man aufgehört hat.
Apple hat seit einiger Zeit eine clevere Alternative zum händischen Backup. Die heißt Time Machine bzw. Time Capsule (als Netzspeichermedium) und sichert regelmäßig Versionen des Systems, bis die Backup-Platte vollläuft. Dazu muss man allerdings das aktuelle Betriebssystem Mac OS X Leopard verwenden.
Doch es muss nicht immer Hardware sein. Eine weitere Komponente einer besseren Backup-Strategie ist die Nutzung von Online-Speicherplatz, sei es nun auf dem eigenen Server, bei dezidierten Backup-Diensten oder bei Kommunikationsanbietern. Ein Beispiel: Wer seine Mails nicht nur auf dem eigenen Rechner lagert, dessen Platte ja den Geist aufgeben könnte, kann sich dank IMAP alle wichtigen Botschaften im Notfall einfach wieder aus dem Netz besorgen. Auch andere bedeutsame Dokumente lassen sich längst leicht über Versioning-Instrumenten mit hübscher Benutzeroberfläche im Netz ablegen.
Doch selbst wer seinen Rechner nur noch als Abrufinstrument von Online-Inhalten nutzt, weil jegliche wichtige Daten im Internet auf irgendwelchen Servern liegen, ist vor Ungemach nicht gefeit. Was passiert beispielsweise, wenn der Betreiber solcher Dienste pleite geht, den Zugang aus unerfindlichen GrĂĽnden sperrt oder er schlicht aufgrund von Netzwerkproblemen nicht zu erreichen ist? Selbst beim Branchenprimus Google kann zweiteres und letzteres passieren.
Die Strategie kann also nur sein, zwischen Speicherung im Netz, lokalen Backups (sowohl ganze System-Klone als auch die wichtigsten Daten) und automatischen lokalen Backups zu wechseln beziehungsweise den SpaĂź einfach parallel zu betreiben. Mit passender Software, die automatisiert (bevorzugt nachts) loslegt, ist das wirklich kein groĂźes Problem mehr. Auch Speicherplatz kostet sowohl lokal (in Form von Festplatten) als auch online (in Form von Server-Gigabytes) nicht mehr die Welt, wenn das Backup-Prozedere Otto-Normal-Nutzer dann auch nicht weiter nervt, ist alles in Butter.
Wer auch vor dem notorischen Festplatten-Headcrash sicher sein will, schaffen Sie sich eine der seit kurzem auf dem Markt befindlichen Solid State Drives (SSDs) fĂĽr den Laptop an, und tausche sein Hauptlaufwerk dagegen aus. Die kommen ohne bewegliche Teile aus, arbeiten mit Flash-Speicherelementen, sind inzwischen ausgereift und dank einiger Geschwindigkeitsvorteile eventuelle Zusatzkosten durchaus wert. AuĂźerdem kann man die Teile auch mal auf den Boden werfen, ohne dass sie gleich den Geist aufgeben. Aber wie ich mich kenne, wĂĽrde ich einen derart ausgestatteten Rechner vermutlich so ungeschickt aufprallen lassen, dass es die einzelnen Speicherbausteine intern zerlegt... (wst)