Licht und Schatten
Aus für die Glühlampe: Heute wollen die EU-Mitgliedsstaaten dem Europarlament einen Vorschlag über "ökologische Mindestanforderungen an Haushaltsbeleuchtung" vorlegen.
Für viele ist Technik kalt und seelenlos. Ich assoziiere damit ein warmes Leuchten. Von den Glühlämpchen in meinem ersten Elektrobaukasten. Besonders von dem, das ich in meinem ersten, selbst zusammengesteckten Schaltkreis zum Leuchten gebracht habe. An Heiligabend – gewissermaßen direkt unter dem Weihnachtsbaum. Das Gewinde für das Birnchen musste man selbst herstellen, indem man ein Stück festen Draht um die Fassung der Birne wickelte. Das mit dem Strom hat mich seitdem nicht mehr wirklich losgelassen – auch wenn diverse Lehrer und Professoren sich redlich Mühe gegeben haben, mir und anderen des Spaß an der Sache zu verderben. Aber das ist eine andere Geschichte.
Jetzt muss ich einen – vorgezogenen – Nachruf auf meinen guten Freund schreiben: Heute wollen die EU-Mitgliedsstaaten dem Europaparlament einen Vorschlag über "ökologische Mindestanforderungen an Haushaltsbeleuchtung" vorlegen. Ich will hier jetzt nicht über Büßerhemd-Ökologie lästern, oder den Rebound-Effekt, den der Kollege Hänggi so treffend analysiert hat. Nein, hier wird jetzt nicht herumgepöbelt – ein andermal wieder – hier soll es um Gedenken gehen, und um das Staunen.
Denn mit dem Entwurf soll der guten, alten Glühlampe bereist ab 2009 in Europa das Licht ausgeblasen werden. Energieverschwendung wirft man der Glühlampe vor. Pah, als ob es immer nur darum ginge. Ich sage nur: Deckenfluter. In den Lampenläden stehen noch jede Menge von diesen energetisch gesehen katastrophalen Energiewerfern, auch wenn das Konzept eigentlich sehr 90er Jahre ist. Ich hatte auch einen: Voll aufgerissen hat das Ding locker mal eben 300 Watt verbraten und dafür einen blendend weißen Lichtfleck an die Stuckdecke gezaubert. Der wiederum hat das Zimmer selbst in behagliches Halbdunkel getaucht.
Oder nehmen Sie Schreibtischlampen. Ich bin ein Nachtmensch, und arbeite daher gelegentlich im Dunkeln (was zu dieser Jahreszeit nicht wirklich schwierig ist). Wenn man hier durch die Redaktionsflure geht, sieht man das eine oder andere BĂĽro, das hell erleuchtet ist. Aber in den meisten Zimmern ist es wie hier: Kleine Schreibtischlampen werfen tapfer Lichtinseln vor dem dunklen Hintergrund von BĂĽcherstapeln und Papierbergen, neben den schimmernden Kirchenfenstern des digitalen Universums.
Warum machen wir das so? Licht ist nicht einfach nur Licht. Und das weiĂźe Spektrum der Energiesparlampen und LED-Scheinwerfer wird sich immer kalt und unbehaglich anfĂĽhlen (das liegt nicht nur am fehlenden Infrarot-Anteil ihres Spektrums). Die Aufhebung der Dunkelheit durch technische Mittel kommt am besten zur Geltung, wenn die Dunkelheit weiter am Rande des Blickfeldes lauert. Aber wahrscheinlich kann man diese Zerbrechlichkeit des Fortschritts nur wĂĽrdigen, wenn man als Kind die eigene Lampenfassung gebastelt hat. (wst)