Sanftes Gleiten, weiches Rollen

Ein kleines Loblied auf die elektrische Ă–ffnungsunterstĂĽtzung.

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Poesie im Alltag: Ich sitze am Samstag am Frühstückstisch und blättere durch die Wochenendausgabe der Zeitung. Beim Blättern stoße ich auf Sätze von epischer Wucht – wie diesen: "Schubladen definieren das Thema Aufbewahrung neu". Wenn das mal nicht sensationell ist.

Neugierig geworden lese ich weiter. Und lerne, dass "grifflose Küchenmöbel" offenbar grade der letzte Schrei sind. Denn "neben der grifflosen Optik überzeugt die komfortable Nutzung. So reicht ein leichter Druck mit der Hüfte oder dem Knie" und die "elektrische Öffnungsunterstützung" rammt mir die Schublade in die – nein, falsch: "und der Schubkasten öffnet sich, auch wenn beide Hände schmutzig sind". Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass diese Technik mit dem demographischen Wandel kompatibel ist, aber die Küchenfee auf dem nebenstehenden Foto sieht auch nicht so aus, als ob das für sie in den nächsten Jahren ein Problem sei.

Hinter einem besonders schweren oder breiten Frontauszug – der sich selbstredend auch "geräuschlos wieder schließt" – verbirgt sich übrigens nicht etwa der Müllschlucker, sondern der heimische Kühlschrank. Denn "die Entnahme der frischen Lebensmitteln von oben ist einfacher als bei einem herkömmlichen Kühlschrank, weil nichts im Weg stehen kann". Das alles gibt es in Holz, Kupfer oder – besonders apart – auch in veredeltem Beton.

Eine Kultur, eine Volkswirtschaft, die solche Sätze, solches Design und solche technischen Errungenschaften hervorbringt, der kann es nicht wirklich schlecht gehen. Was kümmert uns die Finanzkrise, was kümmert uns der Totalausfall der europäischen Klima-Politik: Wir gleiten sanft, auf Rollen, in eine glückliche, rundum umsorgte Zukunft. Mahlzeit! (wst)