Die Krisenphisher
Erstaunlich, wie anpassungsfähig Online-Gauner sind. Ihre Betrügereien per E-Mail orientieren sich stets an aktuellen Trends.
Es gibt Jobs, die sind relativ krisenfest. Bäcker zum Beispiel, oder Koch – gegessen wird immer. Andere Branchen blühen angesichts der weltweiten Finanzkrise sogar regelrecht auf: Wenn in diesen Tagen eine E-Mail ins Postfach eintrudelt, die von der Hausbank zu stammen scheint, sollte man doppelt aufpassen. So genannte "Phisher", nutzen die aktuelle Finanzkrise und den Vertrauensverlust in die Banken aus, um sich neue Opfer zu suchen.
Den Trend gibt einmal mehr Amerika vor. Besonders betroffen sind Kunden von amerikanischen Banken, die angesichts der Finanzkrise von anderen Instituten ĂĽbernommen wurden, etwa Wachovia, Washington Mutual, JPMorgan Chase oder Citi Group. "Wir haben kĂĽrzlich Bank XYZ ĂĽbernommen und mĂĽssen Sie aus SicherheitsgrĂĽnden nun bitten, ihre Online-Daten zu verifizieren", heiĂźt es typischerweise in solchen Schreiben.
Wie die US-Handelsaufsicht FTC kürzlich warnte, kommt es derzeit zu einer Flut solcher gefälschter Nachrichten, die den Nutzer dazu animieren sollen, seine Konto- und Zugangsdaten auf einer nachgemachten Website zu verraten. Phishing sei zwar nichts Neues, derzeit aber besonders schlimm – offenbar nutzten die Online-Betrüger gezielt das schwierige wirtschaftliche Klima aus.
Neben E-Mails nutzen die Angreifer inzwischen auch andere zunehmend technisch ausgefeilte Methoden, um an die Daten ihrer Opfer zu kommen. So berichtet die FTC erstmals von automatisierten Massenanrufen, die Kunden auffordern, sich telefonisch bei einer bestimmten Rufnummer zu melden, um dort ihre "Daten zu bestätigen". Das sei wichtig, damit das Konto offen bleibe. Die Nummern führen zu schnell auswechselbaren Internet-Telefonie-Anschlüssen, die die Gauner vorher geschaltet haben - ein Sprachcomputer nimmt dort dann die Informationen der Opfer entgegen. Da fragt man sich doch, wie lange es dauert, bis die Gangster sich eigene Callcenter einrichten.
Nach der Aktion verschwindet die Nummer einfach wieder. "Um die Institution zu erreichen, mit der Sie ein Geschäftsverhältnis haben, sollten Sie immer nur die Nummer wählen, die auf ihren Auszügen steht", warnen die Kundenschützer von der FTC. Klingt logisch und hilfreich. Vielleicht wäre es noch hilfreicher gewesen, die Praktiken der "Instititutionen", mit denen viele der Betroffenen "ein Geschäftsverhältnis" hatten, bei Zeiten unter die Lupe zu nehmen. Statt jetzt vor dem Fallout der Krise zu warnen. Doch in der Krise, so scheint, sind viele halt ein bisschen verwirrt. (wst)