OLED-Baum und Kaufrausch
Pünktlich zur nachrichtenarmen Zeit der friedlichen Festtage werden auch wir Journalisten reichlich bedacht. Mit allerlei bunten Agenturmeldungen – auf das wir die Seiten füllen können, auch wenn eigentlich nichts los ist.
Man gönnt sich ja sonst nichts: Pünktlich zur nachrichtenarmen Zeit der friedlichen Festtage werden auch wir Journalisten reichlich bedacht. Mit allerlei bunten Agenturmeldungen – auf das wir die Seiten füllen können, auch wenn eigentlich nichts los ist. Zu meinen diesjährigen Favoriten gehört eine Mitteilung mit der sensationsheischenden Überschrift "Weihnachten erhöht Kaufsucht-Risiko. Psychologen warnen vor Einkaufsstress und fehlender Selbstkontrolle".
"Weihnachten ist wie fünfzehn Geburtstage gleichzeitig" erfahren wir da vom Wiener Psychologen Cornel Binder-Krieglstein. "Man steht dabei unter starkem Zeitdruck". Gute Organisation helfe dabei, dem Einkaufsstress der Adventsamstage zu entkommen. "Geschenkideen kann man problemlos das ganze Jahr über notieren und im November besorgen", so Binder-Krieglstein. Und der Psychologe Tom Fawcett von der University of Salford warnt vor psychologischen wie auch finanziellen Folgen des unkontrollierten Weihnachtseinkaufes. "Entgleitet die Kontrolle der Ausgaben, kann das später zu einem massiven Verlust von Zuversichts- und Selbstwertgefühl bis bin zu chronischen Formen der Depressionen führen", betont Fawcett. Wer hätte das gedacht.
Da ist es geradezu erholsam informativ, dass ich von einer anderen Agentur erfahre, dass "rechtzeitig zur Weihnachtszeit" Wissenschaftler des GE Forschungszentrums in Niskayuna (New York) "den ersten, mit OLED-Panels beleuchteten Weihnachtsbaum der Welt präsentiert" haben. "Statt Tannenzweigen besteht die futuristische Konstruktion aus einem etwa 15 Zentimeter breiten und fünf Meter langem OLED-Leuchtdioden-Band. Der grün erleuchtete Weihnachtsbaum symbolisiere das Potential, welches in der revolutionären OLED-Technik stecke, so die GE Wissenschaftler." Oh warte, da hört man doch fast schon die Glocken klingen. Da können Sie mal sehen, was wir Ihnen in den vergangenen zwölf Monaten alles erspart haben.
Aber ich rede und rede – und schon haben wir wieder ein paar rare und kostbare Minuten der Vorweihnachtszeit verstreichen lassen. Dabei wollte Sie doch eigentlich gar nicht aufhalten. Sie haben sicherlich noch alle Hände voll zu tun. Ich wünsche frohe Festtage – auch vom Rest der Redaktion. (wst)