Der Touchscreen-Arm

Berührungsempfindliche Bildschirme, so meinen IT-Forscher, sind die Zukunft der Rechnerbedienung. Warum sind dann entsprechende Schnittstellen, die bereits im Handel erhältlich sind, so verdammt unbequem?

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Was kommt als nächstes bei den Bedienoberflächen? Nachdem die Maus bekanntlich neulich 40 wurde, stellen sich Interface-Designer die Frage, wie sie den nächsten großen Schritt in der Evolution der IT wagen können. Eine Umfrage wird dabei schnell den aktuellen Mainstream-Ansatz hervorbringen: Berührungsempfindliche Bildschirme müssen sein, sonst geht gar nix.

Bei HP ist ein entsprechender PC seit einigen Wochen als All-in-One-Rechner verfügbar: Der so genannte "Touchsmart"-Computer. Ohne nun auf technische Details eingehen zu wollen (so ist die berührungsempfindliche Bedienoberfläche nur Windows übergestülpt und reagiert zum Teil deutlich lahmer als andere Geräte wie z.B. Apples iPhone): Das ganze Konzept ist missraten. Man hat es hierbei mit einem Computer zu tun, auf dessen Display man auf Wunsch auch mit den Fingern herumfuhrwerken kann - neben der üblichen Maus- und Tastaturbedienung. Dabei ist die Anordnung der Komponenten wie bei allen anderen PCs, also das Display steht auf dem Schreibtisch und liegt nicht etwa.

Das mit dieser Unergonomie verbundene Problem hat bereits einen Namen: Es läuft bei Usability-Experten unter dem Begriff "Touchscreen-Arm". Im Gegensatz zur ähnlich benannten Ballsportverletzung tritt dieser allerdings nicht erst nach Wochen des intensiven Trainings, sondern bereits nach einigen Stunden Nutzung auf. Ist ja auch klar: Seine Hände die ganze Zeit in der Luft vor einem zu halten, ist völlig unnatürlich und gelingt womöglich Tai-Chi-Praktizierenden, nicht aber normalen Nutzern. Deshalb glaube ich auch nicht, dass sich ein solches Konzept durchsetzen wird.

Nicht, dass ich etwas gegen Touchscreens hätte: Die sind fein und das erwähnte Handy mit dem Apfellogo ist nach wie vor revolutionär und funktioniert im Normalbetrieb prima. Bei PCs glaube ich aber eher, dass die mechanische Tastatur gegen ein berührungsempfindliches Display ausgetauscht wird - und nicht etwa der Hauptbildschirm wie beim "Touchsmart". Tatsächlich machen uns schon allerlei Hollywood-Streifen und Science-Fiction-Serien vor, wie das aussehen könnte. Die Hand des Benutzers liegt dabei auf einem zweiten Bildschirm, auf dem die gewünschten Bedienelemente eingeblendet werden. Daran. dass man kein mechanisches Feedback mehr bekommt, wenn man irgendetwas eintippt, gewöhnt man sich schnell (siehe iPhone) und auch der Mauszeiger gibt ja bei Bewegungen über das heute übliche Trackpad nur beim Klick eine Antwort.

Der Laptop der Zukunft ist meiner Meinung nach also ein Gerät, das aus zwei Bildschirmen besteht: Ein Hauptdisplay zur Anzeige (kann berührungsempfindlich sein, muss aber nicht) und ein "Tastaturdisplay", das ein wenig an das Raumschiff Enterprise erinnert. Dort kann man dann jedes Tastaturlayout einblenden, das man möchte und noch ganz andere Dinge tun, die höchst innovativ sein werden. Und einen Touchscreen-Arm kriegt man so auch nicht. (wst)