Die große Befreiung!

Für das Entfernen von einem unerwünschten und lästigen Kopierschutz Geld zu verlangen, ist beeindruckend dreist.

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Manchmal denke ich wirklich, ich bin im falschen Universum. Vergangene Woche war es wieder soweit: Viele Kollegen hatten – ein kleines bisschen kritisch aber doch im großen und ganzen lobend – darüber berichtet, dass Apple künftig alle Musikstücke in seinem Online-Geschäft ohne Kopierschutz anbieten will. Soweit so gut, man kann sich ja über das langsame Sterben der digitalen Fußfesseln ruhig ein bisschen freuen. Dass Apple an der Praxis festhält, bereits gekaufte Stücke nur gegen Aufpreis vom Kopierschutz zu befreien, wurde dabei aber größtenteils achselzuckend hingenommen.

Es gibt Geschäftsideen, die sind so dreist, dass mir beim Lesen solcher Sachen gerne mal alles aus dem Gesicht fällt. Diese Musikstück-Entsprerrung – verschämt bemäntelt dadurch, dass man das Stück angeblich in verbesserter Tonqualität bekommt – gehört in diese Kategorie. In der Sicherheitsszene wird solche Software, soweit ich weiß, Ransomware genannt: Die Software kapert die Daten des Users, verschlüsselt sie und gibt sie erst gegen Zahlung eines "Lösegeldes" wieder frei. Mir scheint, die Macher des iTunes Store haben sich von dieser Idee inspirieren lassen. Und ich frage mich, was die Design-Zauberer aus Kalifornien als nächstes bringen: Ein Mailprogramm, das nach einem halben Jahr Benutzung plötzlich das Abo von irgendeinem obskuren Macdienst verlangt? Oder sonst alle bisher eingegebenen Daten verschluckt. Der Phantasie sind an dieser Stelle wenig Grenzen gesetzt. Grenzen kann der Industrie da offenbar nur der Verbraucher setzen. Wenn der sich gegen solche Praktiken nicht wehrt, hat er nichts besseres verdient. (wst)