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In der freien Konkurrenz eines freien Marktes setzen sich langfristig die besten Produkte durch. Sagt jedenfalls die Theorie.

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In der freien Konkurrenz eines freien Marktes setzen sich langfristig die besten Produkte durch. Sagt jedenfalls die Theorie. Jeder, der sein Leben auch nur ein bisschen von moderner Elektronik bestimmen lässt, kann daraus lernen, dass die Definition von "am besten" mindestens – na sagen wir mal – ein bisschen unbestimmt ist. Denn "gut" muss nicht unbedingt heißen "im technischen Sinne gut".

Meisten heißt es nicht mal besonders "brauchbar", dafür aber noch bunter, lauter und in jeder Geräte-Generation mit vielen neuen Features. Aber auch wenn der Fortschritt eine Schnecke ist, er kommt doch. Wenn auch manchmal in ganz unerwarteten Inkarnationen, wie zum Beispiel in Gestalt des Mobilfunk-Verbandes GSMA, der vergangene Woche überraschend verkündet hat, die Branche wolle sich doch tatsächlich auf einheitliche Ladegeräte einigen.

Donnerlüttchen. Nun aber doch. Nach gefühlten 20 Jahren, in denen wir bei jeder Dienstreise wieder eine absurde Unzahl verschiedenster Ladegeräte und Adapter in den Koffer gestopft haben, nur um das entscheidende Teil dann doch wieder zu vergessen, kommen die plötzlich auf die Idee einer Vereinheitlichung. Ist da ein WUNDER geschehen?

Leider nicht. Die Freude trübt sich, wenn man das Kleingedruckte dieser News liest: Die Mobiltelefone, deren Ladegeräte mit MikroUSB versehen sind, kommen auf breiter Front erst ab 2012. Die brauchen für die Entwicklung und Einführung von neuen Ladegeräten drei Jahre? Nicht wirklich, aber bis dahin reicht wohl die Geduld der EU. Industriekommissar Günter Verheugen hatte verlauten lassen, seine Geduld sei am Ende und die EU werde die Vereinheitlichung notfalls vorschreiben. Und wir uns schon jetzt darauf einstellen, dass die Ladegeräte dann nicht mehr unbedingt mit den Mobiltelefonen mitgeliefert werden. Die kann man dann extra kaufen – die Anschaffung lohnt sich dann ja, weil man nicht mehr für jedes Handy ... na ja, Sie wissen schon. Ökologischer ist das Ganze natürlich auch, weil man nicht mehr so viele von den alten Teilen wegwerfen muss. Dass wird uns doch ein paar Euro wert sein, oder?

Was kommt als nächstes? Ein Tarifsystem mit Verträgen ohne Sternchen und Sub-Sternchen mit in Drei-Punkt-Schrift gedruckten Ausnahmeregelungen? Im Moment möchte ich nicht wissen, was das dann bedeutet. Aber eins ist jetzt schon klar: Auch das wird eine willkomme Möglichkeit, noch einmal kräftig abzusahnen. (wst)