Na &?
Es gibt trockene, technische Artikel, die lösen bei mir im Kopf einfach Geschichten aus. So wie der, in dem vermeldet ist, dass Apple in der neuen Version seines iPhone-Betriebssystems erstmals begrenzt Hintergrundprozesse zulassen wird.
Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht ja ein bisschen komisch gestrickt, aber es gibt trockene, technische Artikel, die lösen bei mir im Kopf einfach Geschichten aus. So wie dieser, in dem vermeldet ist, dass Apple in der neuen Version seines iPhone-Betriebssystems erstmals – begrenzt – Hintergrundprozesse zulassen wird. Was kann daran schon Geschichte sein, werden Sie fragen. Was mag es trockeneres geben, als technische Einzelheiten von Smartphone-Betriebssystemen?
Na ja, würde ich sagen, der Hintergrundprozess an sich hat schon was tiefgründiges, unkontrollierbares: Wenn ich meinen Computer, sagen wir mal eine einfache Rechenaufgabe erledigen lasse, dann mache ich das, indem ich ein Programm starte. Oder nehmen wir das Erstellen dieses Textes. Das funktioniert vereinfacht nach dem Vorgesetztenprinzip: Ich sage was zu tun ist, der Rechner macht und wartet dann auf weitere Anweisung. Hintergrundprozesse aber funktionieren wie einigermaßen intelligente Untergebene: Denen muss man nicht jeden Schritt diktieren – die schickt man einmal auf den Weg, dann machen sie ohne weiter zu fragen ihre Arbeit. Jedenfalls möchte man das glauben. Wenn man sich nicht allzuviele Gedanken über die prinzipielle Kontrollierbarkeit eines Computers macht. (Und warum zum Teufel schmiert eigentlich dauernd der Browser ab, während ich diesen Text tippe?)
Das war aber noch nicht Alles: Hintergrundprozesse werden im Unix-Jargon Dämonen genannt. Wenn ich an dieser Stelle vielleicht noch mal die Wikipedia zitieren dürfte: "...Daemons können jedoch auch wie normale Prozesse in einer Shell durch einen Benutzer gestartet werden. Anschließend forken diese Prozesse und erstellen auf diese Weise einen Prozess, der mit der aufrufenden Shell nicht mehr verbunden ist und damit ein direkter Kindprozess des Hauptprozessess init wird. " "Kindprozess", "forken", "(S)hell" – das klingt doch schon ganz schön gruselig, gell?
Das Zeichen, mit dem man einen Prozess in diesen ominösen Hintergrund schickt ist übrigens ein "&" – ein kaufmännisches und , das mit seiner geschwungenen Schleife quasi in der Luft hängen bleibt, wie ein nicht mehr ganz zu Ende gesprochener Befehl. Weil der dienstbare Geist schon verschwunden ist. Ach ja, das Kommando, mit dem diese Prozesse wieder abgeschaltet werden, heißt übrigens "kill". Vielleicht wollen Sie ja auch wissen, warum die Jungs bei Apple bisher so zögerlich gewesen sind? Der Grund ist die Laufzeit: Unkontrollierbare Dämonen können diese Laufzeit um bis zu 80 Prozent verringern. Ich stelle mir förmlich bildlich vor, wie sie den Akku aussaugen. Wenn Sie also das nächste mal solch eine Meldung sehen, schauen Sie nicht gleich weg. Hinter manchen Geschichten steckt mehr, als man denkt. (wst)