Wenn Google nicht geht

Ist der Suchkonzern ein Monopol? Nein, eher ein Drogendealer, ohne dessen herausragende Produkte die Welt nicht leben mag.

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Letzte Woche fiel bekanntlich Google in Deutschland und anderen Ländern für einige Stunden aus [-] beziehungsweise war nur äußerst unbefriedigend zu erreichen. Der Kollege Glaser hat sich am Freitag schon ein paar spaßige Gedanken zum Thema gemacht, die ich hier gerne aus anderer Perspektive aufgreifen will: unserer Abhängigkeit von der großen Suchmaschine.

Was ich persönlich am Donnerstag tat, glich dem Verhalten eines Süchtigen: Ich versuchte unterschiedlichste Tricks, darunter die Möglichkeit, über einen anderen Zugang auf Google zuzugreifen – und musste schließlich feststellen, dass offenbar nicht nur mein Provider, eine Tochter der Telekom, seine Probleme mit der wertvollsten Marke der Welt hatte.

Dabei wurde mir einmal mehr bewusst, wie unfassbar wichtig diese Firma inzwischen für uns alle ist. Ich gehöre dabei nicht einmal zu den Google-Dauernutzern, der E-Mail-Dienst des Konzerns gefällt mir nicht, weil er zu Werbezwecken automatisch Botschaften durchschnuppert, Web-2.0-Services wie Online-Textverarbeitungen besorge ich mir ebenfalls lieber woanders. Die Suchkernfunktion, sowohl auf das Internet als auch auf Nachrichten ausgerichtet, nutze ich aber wie nahezu jeder Mensch fast ständig. Und genau das zeigt, wie sehr Google inzwischen wie Strom geworden ist: Ohne das Angebot geht nichts mehr.

Wenn Google nicht geht, so ist zumindest das Gefühl unter Pressevertretern, kann man nichts recherchieren – kein Wunder z.B, dass bei Microsofts eher mieser Live-Suchmaschine Google der meistverwendete Suchbegriff ist.

Wenn Google wirtschaftlich eines Tages fallen würde, müsste wohl ein Bailout her. Und wenn das nichts hilft, müsste der Konzern wohl verstaatlicht werden. Dabei könnte man dann gleich unschöne Datenschutzkatastrophen beseitigen, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben.

Aber soweit wird es nicht kommen. Das mächtigste Unternehmen im Internet zu sein, ist einfach zu profitabel. Doch vielleicht sollte genau das einmal regulatorisch unter die Lupe genommen werden. Intel bekam ja bekanntlich kürzlich über eine Milliarde Euro an Kartellstrafe aufgebrummt, weil der Chipriese seine Konkurrenz offensichtlich unschön ausbremste. Das Problem: Google zwingt uns nicht dazu, es zu benutzen, alternative Suchmaschinen gibt es nach wie vor noch einige (Wolfram Alpha, anyone?). Der Konzern macht uns allein mit seinen gut funktionierenden Produkten süchtig. Und genau deshalb gab es letzten Donnerstag auch so ein schreckliches Tohuwabohu um den Ausfall. (wst)