Sag zum Abschied leise "Bill"

Microsoft hat zum ersten Mal in seiner Geschichte als börsennotierte Firma einen Umsatzrückgang verzeichnet. Ist das schon der Beginn des Endes einer Ära?

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Bill Gates ist bereits seit ĂĽber einem Jahr in Rente und auch Steve Ballmer macht im Vergleich zu frĂĽher eher eine ausgelaugte Figur. Und dann auch noch das: Letzte Woche gab Microsoft krisenbedingt wirklich furchtbare Zahlen bekannt.

Natürlich, wer den Software-Riesen aus Redmond jetzt schon zu den lebenden Leichen zählt, greift völlig daneben: Auch im in Sachen Einnahmenrückgänge übelsten Fiskaljahr seiner Börsengeschichte schrieb das Unternehmen noch einen Umsatz von 58,44 Milliarden Dollar bei einem Nettogewinn von 14,57 Milliarden. Trotzdem wirkt der Konzern ein bisschen wie ein alter, ausgepowerter Roboter auf Autopilot.

Letztlich nimmt Microsoft heute die Rolle ein, die man einst dem angestaubten IBM-Konzern zusprach: Es ist der Elder Statesman der IT, da helfen auch keine merkwĂĽrdigen Werbekampganen, aufgebohrte Suchmaschinen mit komischem Namen oder schnell nachgeschobene Windows Vista-Ver(schlimm)besserungen.

Etwas Glück hat Redmond in den letzten Jahren nur bei den Netbooks gehabt: Bei dieser schnell wachsenden Gattung der Billig-Laptops sah es anfangs so aus, als könne sich eine der inzwischen durchaus gut bedienbaren Linux-Derivate wie Ubuntu durchsetzen, schließlich kosteten die die Hersteller nichts. Dem hat Microsoft mit einem Billig-Windows XP einen Riegel vorgeschoben; ob das mit dem Nachfolger Windows 7, der nun auch auf langsameren Maschinen ordentlich laufen soll, so bleiben wird, wird man sehen. Zumal der Konzern mit Netbook-Lizenzen eh kaum was verdient - der Günstig-PC-Bereich ist eine Art Loss Leader.

Und dann kommt im nächsten Jahr auch noch Google mit seinem Chrome OS auf den Markt, das der Menschheit beweisen soll, das Internet-gestützte Betriebssysteme längst sehr fein funktionieren: Viel mehr als einen Browser braucht man heute nicht mehr, fette Legacy-Systeme wie Windows kosten nur Speicher und Energie, heißt es immer öfter.

Und auf der anderen Seite prägt Apple mit seinem iPhone (und hochprofitablen Premium-Rechnern) die mobile Computerzukunft, und, als hätte es Microsoft nicht schon schwer genug, reüssiert sogar in der Krise.

Was Microsoft jetzt braucht, ist eine Neuerfindung - vielleicht über die Xbox-Schiene, vielleicht über Cloud Computing. Ob dieser Supertanker der IT sich so leicht umsteuern lässt, ist aber fraglich. Wenn nun aber ausgerechnet die Cash Cow Windows so massiv leidet, wie im letzten Jahr (minus 30 Prozent beim Umsatz), ist das angezeigt. Bislang halfen Betriebssysteme und Büropakete nämlich, Microsofts nicht selten fehlschlagende Experimente in anderen Bereichen gegen zu finanzieren. Wenn das nicht mehr klappt, dann war das nicht das letzte "schlechteste Jahr der Börsengeschichte" für den Konzern. (wst)