Auf der Suche nach der Suche
Dass die Sache mit den Suchmaschinen überhaupt so aufgeregt diskutiert wird, kann man aber weder mit Technik, noch mit dem schnöden Kommerz erklären. Ich glaube vielmehr, dass Suchmaschinen etwas zutiefst archetypisches im menschlichen Wesen berühren.
Ach, was kann schon aufregend sein, in diesen Tagen? Die schwüle Sommerluft drückt schwer auf die Produktivität, der Lüfter des Computers röchelt nur noch leise vor sich hin, und wenn der bleigraue Himmel dann doch mal aufreißt, wird es nur um so unerträglicher.
Immerhin, im Internet regt sich noch ein bisschen Leben. Einer meiner Kollegen pflegt gerne zu erklären, er liebe das Geräusch, das entsteht, wenn die Deadline mit einem leisen „Swooosh“ an ihm vorüberzieht. In diesem Fall war es nicht die Deadline, die an uns vorüber gezogen ist, sondern die Realität: Denn im aktuellen Heft hatte der der Kollege Steffan Heuer noch darüber spekuliert, wie wahrscheinlich es sei, dass der Deal zwischen Microsoft und Yahoo doch noch zu Stande kommt. Jetzt ist er perfekt und Spekulation von der Realität überholt.
Und seitdem wir wissen, dass Microsoft und Yahoo sich zusammentun, um Google, dem großen Imperium der Suche, wenigsten ein bisschen mehr Gewicht entgegen zu setzen, darf wieder fröhlich gelästert werden: Über Microsoft zum Beispiel, die mal wieder Geld und Marktmacht einsetzen, um noch mehr Geld und noch mehr Marktmacht daraus zu machen.
Technische Details über die neuen Suchmaschinen kann man ausführlich in Steffans Text nachlesen – im wesentlichen läuft die Entwicklung im Suchmaschinenbereich aber auf zwei Trends hinaus, die eigentlich schon gar nichts mehr mit der guten, alten Suchmaschine, wie wir sie heute kennen, zu tun haben: Da sind zum einen Software-Systeme, die man gar nichts mehr fragen muss, weil sie einem die Frage gewissermaßen schon an den Augen ablesen. Solche Dienste lernen aus dem, was ich ansurfe, speichere oder anderen empfehle, meine Wünsche, Vorlieben und Interessen. Und dann geben sie Empfehlungen, wie ein freundlicher Butler, der gute Küchenchef im Restaurant oder der nette Weinhändler von Nebenan: Schau Dir mal dies hier an, das wird Dich interessieren.
Die zweite Alternative ist eigentlich gar nicht neu, sondern uralt: Man fragt keine Maschine mehr, sondern Menschen, die sich mit der betreffenden Materie auskennen. Die Software leistet nur noch untergeordnete Hilfsdienste, beispielsweise die richtigen Fragen an die richtigen Antworter weiterzuleiten. Aardvark ist so eine Art von Dienst – die Software vermittelt eingehende Fragen per Instant Messenger (ich habe auch noch ein paar Einladungen zum Beta-Testen offen – wer mag, kann mir eine Mail schreiben).
Dass die Sache mit den Suchmaschinen überhaupt so aufgeregt diskutiert wird, kann man aber weder mit Technik noch mit dem schnöden Kommerz erklären. Ich glaube vielmehr, dass Suchmaschinen etwas zutiefst Archetypisches im menschlichen Wesen berühren: den kindlichen Glauben daran, dass irgendwo auf der Welt eine allwissende Instanz existieren muss, die alle, aber auch wirklich all unsere Fragen beantworten kann. Und wenn es nun mehrere dieser Maschinen gibt, muss man sich für eine entscheiden – schließlich kann es nur eine Wahrheit geben. Die Frage ist, wem kann man am ehesten vertrauen? Google, der großen Datenkrake, die alles über jeden wissen will, um diese Daten zu vermarkten? Oder Microsoft, ein Unternehmen, das schon seit Jahrzehnten als das personifizierte Böse der IT gilt, ein hässlicher Monopolist, der die Desktops der Welt versklavt? Wirklich spannend wird diese Geschichte eigentlich erst wieder, wenn die wirklich Guten ins Spiel kommen: die Ritter vom heiligen Tux auf der Suche nach dem großen Bing. (wst)